Die fatalen Fehler der SNB ! Marc Meyer (ehemaliger UBS-Analyst) analysiert exakter als die SNB?

Artikel zum NachDenken: Das „?“ im Titel ist rein rhetorischer Natur

«Die Nationalbank kann nicht einfach so viel Geld drucken, wie sie will.» Die Ausgabe einer Banknote bedeute für die Zentralbank eine Schuld. Die SNB verwechsle Eigen- mit Fremdkapital – «ein fataler Irrtum!» 1)

Diese Tatsache, die auch mit der Nichtkenntnis der Giralgeldfunktion*, dass der Wert erst bei der Schuld entsteht und der Tatsache des sog. Mindestreservesystems, die dazu führt, dass die Geldschöpfung – substanztechnisch betrachtet – beinahe zu 90 bis 97% aus Luft erfolgt, ist offenscheinlich auch einigen SNB Bankangestellten nicht bekannt. (Dazu auch ein professorales Statement http://bit.ly/aktuelles-bank-luft-system-094 )

* auch bei vielen Bankangestellten (Anm. den meisten, s. Statistik des AV ch 10.2011)

1) Dazu auch ein Artikel aus 20min.ch (exakter link nachfolgend) von Sandro Spaeth:

Wer die Nationalbank kritisiert, wird von der Branche geächtet. Keiner weiss das besser als der ehemalige UBS-Analyst Marc Meyer. Nun ätzt er wieder gegen SNB-Präsident Hildebrand und Co.

storybildNationalbankkritiker Marc Meyer ist heute Lehrer – statt gutbezahlter Banker. (Bild: Keystone)

Ihr HinweisEr hat einst mit Joe Ackermann, dem heutigen Chef der Deutschen Bank, gearbeitet. Sergio Ermotti, Topkandidat für die Nachfolge von Oswald Grübel als UBS-CEO, kennt er von seiner Zeit bei der Citicorp. Marc Meyer hat eine grosse Karriere als Banker vor sich gehabt. Doch heute ist der begabte Ökonom Lehrer in Basel. Lehrer für Wirtschaftsgymnasiasten. Meyer ist einer, der genau weiss, wie es funktioniert.
Die Führungscrew der Schweizerischen Nationalbank (SNB).
Die Führungscrew der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Bildstrecken Sie bestimmen die Zukunft der Schweiz

Als Analyst im Market-Strategy-Team der UBS beschäftigte er sich täglich mit komplizierten Charts. Versuchte aus dem Datenwirrwarr die richtigen Anlagestrategien abzuleiten. Meyer hatte seinen Traumjob. Bis er sich mit einer beissenden Kritik über die Anlagestrategie der Nationalbank zu sehr exponierte. Und von seinem Arbeitgeber UBS geschasst wurde. Das war 1996.

Analyst ohne Lohn

Die Kündigung hat Meyer noch immer nicht verdaut. «Der Rauswurf war einfach nicht fair», sagt er und streicht mit dem Zeigefinger zärtlich über seinen Oldtimer, den er mit dem Geld aus den Banker-Jahren gekauft hat. Es ist ein Jaguar E-Type, Jahrgang 1963. Ein echtes Schmuckstück.

Der 56-jährige sieht sich noch immer als Analyst. Nur dass ihn heute niemand mehr für seine Analysen bezahlt. Wer die Notenbank kritisiere, arbeite nie mehr für ein Schweizer Finanzinstitut, sagt Meyer. Langsam kommt er in Fahrt. «Die Nationalbank hat einen langen Arm.» Wirkt der Junggeselle darum im Klassenzimmer, statt am Paradeplatz?

Marc Meyer ist einer der schärfsten Kritiker von SNB-Präsident Philipp Hildebrand und dessen Vize Thomas Jordan. Die Aktionen des Direktoriums beobachtet er mit Argusaugen. Dass die SNB Anfang September eine Kursuntergrenze zum Euro von 1.20 ausrief, missfällt ihm sehr. Das Direktorium habe masslos überreagiert, findet Meyer. Die Euroschwäche sei per Saldo für die Schweizer Volkswirtschaft sogar vorteilhaft. Zudem könne die Nationalbank den Euro über längere Zeit gar nicht stützten. Die Übermacht der Finanzmärkte sei zu gross.

«Ein fataler Irrtum!»

Um den Eurokurs stabil zu halten, muss die Nationalbank auf den Devisenmärkten intervenieren. Sie kauft Euro gegen Schweizer Franken. Was zu riesigen Mengen von Währungsreserven führt, die im Falle eines neuerlichen Euro-Absturzes zu einem immensen Verlust führen und das Eigenkapital der Notenbank schmälern. Die Notenbanker finden das nicht weiter schlimm: «Die Zentralbank kann sämtlichen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen, weil sie die benötigte Liquidität selber schaffen kann», sagte SNB-Vize Thomas Jordan an einem Referat in Basel. Eine Zentralbank könne gar nicht in Liquiditätsprobleme geraten.

Es sind solche Aussagen, die Marc Meyer auf die Palme bringen. «Die Nationalbank kann nicht einfach so viel Geld drucken, wie sie will.» Die Ausgabe einer Banknote bedeute für die Zentralbank eine Schuld. Die SNB verwechsle Eigen- mit Fremdkapital – «ein fataler Irrtum!» Meyer folgert: Wenn die Nationalbank bei negativem Eigenkapital Geld druckt, steigen lediglich die Schulden, statt dass Löcher gestopft werden können.

Gefangen in der Religion

So weit einleuchtend. Doch warum glaubt ihm niemand? Meyers Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: «Einen so einfachen Fehler will niemand zugeben. Die Notenbanker sind in ihrer Religion gefangen!»

Religion? In Meyers Worten ist missionarischer Eifer zu spüren. Er hat Grund für Vehemenz: «Wenn niemand aufbegehrt, droht der grosse Crash», sagt er. Die Schweizer Wirtschaft könnte an dieser Notenbank-Politik zu Grunde gehen. Im Fall von negativem Eigenkapital müssten die Gläubiger der SNB – die Geschäftsbanken – ihre Giroguthaben bei der SNB abschreiben. Was laut Meyer zu Konkursen von Geschäftsbanken führen wird.

Unzählige Briefe hat Meyer in den letzten Jahren an die Verantwortlichen der Nationalbank geschrieben. Substanzielle Antworten hat er nie erhalten. Seinen Verriss des Referats von SNB-Vize Jordan in Basel sandte Meyer auch an die Bundesräte Eveline Widmer-Schlumpf und Johann Schneider-Ammann. Keine Antwort.

Dies obwohl Meyer mit Kritik an der SNB schon einmal richtig lag: Dank seiner Intervention begann die Nationalbank 1997 ihre Anlagen umzuschichten und wies dadurch einen höheren Anlagegewinn aus. Auch die Goldverkäufe hatte Markt-Analyst Meyer angeregt.

Erfolglose Initiative

Im Dezember 2010 lancierte der Dr. rer. pol. aus Riehen die Volksinitiative «Unsere Nationalbank gehört uns allen!» Sie verlangt, dass die Schweizer Währungshüter nicht eigenmächtig horrende Staatsschulden anhäufen können. Die Frist zum Unterschriften sammeln läuft bis Juli 2012. Doch unterschrieben haben «noch viel zu wenige», so Meyer. Für Sammelaktionen fehlen dem Einzelkämpfer die Mittel. Und die politischen Partner.

Meyer sieht sich als Warner, der in einem von der Wissenschaft anerkannten System einen Fehler entdeckt hat. Ein kleiner Fehler zwar – aber einer, der ins Auge gehen kann. «Es kann doch nicht sein, dass die SNB einfach Geld druckt und damit die Löcher stopft», sagt er. Mantra-artig wiederholt er seine Botschaft. Und wirkt dabei wie ein Don Quijote, der einen Kampf gegen Windmühlen führt.

Meyer, ein Kopernikus

Der streitbare Ökonom selbst zieht den Vergleich mit Nikolaus Kopernikus vor – ein Vergleich, den sich ein Redaktor des «Tages-Anzeigers» vor über 15 Jahren erdacht hat. Meyer erfüllt es noch heute mit Stolz. Es habe mehrere hundert Jahre gedauert, bis man dem Vordenker der modernen Astronomie geglaubt habe, dass die Erde sich um die eigene Achse und um die Sonne drehe. Visionäre leben einsam.

Stört es ihn, dass seine Banker-Karriere ein jähes Ende nahm? Dass seine ehemaligen Kollegen ein Vielfaches verdienen? «Ich bin glücklich als Lehrer», sagt Marc Meyer und betrachtet seinen hellblauen Jaguar. «Dieser Wagen ist wenigstens wertbeständig. Ganz im Gegensatz zu den Euros der Nationalbank.»

Für den Interview-Termin hat er sich eine gelbschwarze Seidenkrawatte umgebunden. Wie damals, als er noch Banker war. Seine Zeit wird kommen, davon ist Meyer überzeugt. «Irgendwann wird man mir glauben.» Hoffentlich nicht, wenn es schon zu spät ist.

Kommentare
Gianluigi Iacovino am 25.10.2011 09:32 Report Diesen Beitrag melden
  • Herr Meyer ist nicht allein

    Herr Meyer, Sie sind nicht allein mit Ihren „Theorien“. Viele Menschen haben genug von der „Kaste“ der UNANTASTBAREN Spekulanten. Seit 1978 „predige“ ich Allen die es (nicht) hören wollen, dass Reichtum nur mit Arbeit erschaffen wird, und die Börsen wie ein Casino sind. Auf jeden Fall finde ich es konstruktiv, dass Sie Herr Meyer Jungen Gymnasianten versuchen die Wirtschaft zu erklären, denn dort fängt alles an. In der Schule müssen die zukünftigen Arbeitnehmer lernen, was Realwirtschaft ist und was nicht. Unterstützen wir doch z.B. die Minder-Abzock Initiative, welche es so „schwierig“ hat.

    • Marc Meyer am 25.10.2011 10:50 Report Diesen Beitrag melden

      Besten Dank

      Sehr geeherter Herr Iacovino Besten Dank für Ihre ermutigenden Worte. Es ist wirklich so: Es muss alles real erarbeitet werden. Die Notenbanker leben in einer Scheinwelt. Freundliche Grüsse Marc Meyer

    • Marc Meyer am 25.10.2011 11:41 Report Diesen Beitrag melden

      SNB verwechselt Vermögen und Schulden

      Sehr geherter Herr Iacovino Bitte lassen Sie mich noch etwas verdeutlichen: Die Notenbanker leben in einer Scheinwelt, weil sie meinen, sie können „Geld schaffen“ und sie interpretieren dieses Geld als „Vermögen“ der Zentralbank. Das ist aber falsch. Geld – Banknoten – das sind „Schulden“ der Zentralbank. Die SNB finanziert also alle ihre Euros über Schulden – und die Schulden der Nationalbank sind Staatsschulden (bereits über 300 Milliarden Schulden hat die SNB). Sie hat jetzt schon weit mehr Schulden als Bund Kantone und Gemeinden zusammen (230 Milliarden Franken).

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  • Daniel Müller am 24.10.2011 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    Der Bürger heisst so weil er bürgt!

    Und wohin fliessen die verkauften CHF? Sobald diese, den Weg in die Realwirtschaft finden, droht uns neben asset price inflation (Rendite Eidg.) auch noch reale Inflation. Und das Beste… unsere PK Mindestverzinsung können wir auch gleich weiter reduzieren.

    • Thomas am 25.10.2011 00:11 Report Diesen Beitrag melden

      Hmmmm … Bürge(r)?!?

      Hmmmm … das ist einmal mehr wohl die Weisheit, die in der Sprache liegt. Wir sind für die Elite, die die bürgen? Klar sind wir die Bürge(r)! Das ist so wie Unterhaltung (Unten haltung). Kein Wunder, dass überall diese Occupy Bewegungen entstehen.

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  • philipp M. S. am 24.10.2011 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    SNB, die Frankenvernichterin

    Die SNB kaufte u. kauft zu tausenden v. Milliarden; zu CHF 1.2o. Ist absehbar, der wird in einigen Monaten noch 60 Cent wert sein. Verlust der SNB: 50%. Die billigste Lösung : alle schreddern und die CH-Einwohnerschaft z. Kasse bitten ( Rentenkürzung, Teuerung, Auftragsmangel,Steuern rauf, usw.). Und die Schweiz schluckt alles, was die „Kapazitäten“ der SNB selbstherrlich desaströs tun. Wie lange hilft CH noch, den EU-Karren aus dem Schlamm zu ziehen – bis die Einsicht Oberhand gewinnt, dass er trotz aller Versuche stecken bleibt. Die EU als Liebkind geboren, stirbt als Moorleiche.

    • San Kunz am 24.10.2011 16:16 Report Diesen Beitrag melden

      Masslose Selbstüberschätzung der CH

      Ihr Kommentar ist sehr interessant und zeugt von massloser Selbstüberschätzung. Die Schweiz spielt sowohl wirtschaftlich als auch politisch keinerlei Rolle auf der Welt. Aufwachen! Nicht der Euro wird durch die Nationalbank gestützt sondern der Franken abgewertet. Dass lässt sich sehr gut aus den wechselkursen der übrigen Währungen zueinander sehen. Der Franken hat gegenüber allen Währungen an Wert verloren. Euro und USD sind hingegen recht stabil zueinander. Zudem hätte die Nationalbank bei weitem nicht die nötigen Mittel tatsächlich eine andere Währung zu beinflussen.

    • Bebbi Meggi am 25.10.2011 11:49 Report Diesen Beitrag melden

      Sie stehen hinter dem Spiegel

      @San Kunz schätze Sie sind Investmentbanker

    • Supermario am 26.10.2011 12:51 Report Diesen Beitrag melden

      Soll er doch sein Geld drauf verwetten!

      Mir dreht sich der Magen um. Wenn der Philipp heute schon weiss, wieviel der Euro in 6 Monaten wert ist warum wetter er dann nicht drauf? Falls der Franken noch mehr wert wird entstehen ohnehin soziale Kosten; entweder als Währungsverlust bei der SNB oder als Arbeitslosenkosten bei den nicht mehr benötigten Angestellten und „Arbeitern“? Denke, dass die Lösung Abwertung eher noch die sozialere Alternative ist; einen Haufen Arbeitslose würde wohl noch grössere soziale Unruhen verursachen!

aus 20min.ch link 

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