Gold vs Papiergeld, Gold gewinnt

Neulich wieder zum Thema Währungskrise

Sicheres Zahlungsmittel in Krisenzeiten: Gold im Banktresor Quelle: Bloomberg

Jede Anlegergruppe hat mindestens einen Paten. Goldfans haben inzwischen viele. Denn je höher der Preis des Edelmetalls steigt, desto mehr selbst ernannte Paten kommen hinzu. Vergleichbar ist diese Entwicklung mit dem Anstieg der Aktienkurse, besonders am Neuen Markt und an der Nasdaq, in der zweiten Hälfte der 90er Jahre. Damals explodierten die Kurse geradezu, und man konnte – den beiden Rückschlägen von 1997 und 1998 zum Trotz – sehr viel Geld verdienen. Eine ähnliche Entwicklung steht uns beim Goldpreis noch bevor, Silberpreis und Edelmetallaktien inbegriffen. Wichtigster Grund: Die meisten Länder bekommen ihre Schulden nicht mehr in den Griff und lassen dadurch ihre Währungen verkommen, sodass die sensibilisierten Anleger zunehmend auf reale Werte setzen. Dazu gehört an vorderster Stelle Gold in Form von Barren und Anlagemünzen wie Krügerrand, Maple Leaf, Känguru, Wiener Philharmoniker, American Eagle und anderen.

James Turk, der die Internetplattform goldmoney.com betreibt, gehört zu den Gold-Paten der ersten Stunde. Er prophezeite bereits 2003 einen Goldpreis von 8000 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm), die international übliche Maßeinheit. Mittlerweile erwartet er noch höhere Preise, wie zuletzt am 24. Oktober dieses Jahres: über 11.000 Dollar. Damit nähert er sich allmählich den sagenhaften 15.000 Dollar, die 2003 ein Team der heute nicht mehr existierenden Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein als extremen „Gleichgewichtsgoldpreis“ für den Fall einer Währungsreform in die Debatte warf.

Alle Länder gemeinsam halten Goldreserven im Volumen von 881,1 Millionen Unzen, oder umgerechnet 27.405,1 Tonnen. Auf der Basis eines Goldpreises von 1600 Dollar je Feinunze entspricht das einem Gegenwert von knapp 1410 Milliarden Dollar. Damit haben die Goldreserven an den weltweiten Währungsreserven von 11714 Milliarden Dollar einen Anteil von durchschnittlich 12 Prozent. Aber die Goldbestände in den Staatstresoren sind ungleich in der Welt verteilt. Auch internationale Institutionen halten Gold, der Internationale Währungsfonds IWF allein im Wert von knapp 145 Milliarden Dollar, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) im Wert von 6,1 Milliarden Dollar. Welche Staaten darüber hinaus die größten Währungsreserven halten und wie viel davon durch Gold gedeckt ist. Berechnungen auf Basis eines Goldpreises von 1600 Dollar je Feinunze Quellen: Bloomberg, World Gold Council, eigene Berechnungen Stand: 6. Oktober 2011 Quelle: dpa

„Goldblase“ – ein Trugschluss

Alles nur Schaumschlägerei? Wohl kaum, denn James Turk ist ein abwägender Mann mit klarem Kopf, und die Investmentbanker von einst haben ihre Studie, die dem Gedankenspiel mit 15.000 Dollar zugrunde liegt, nachvollziehbar untermauert. Doch wie kommt es dann einerseits zu solchen Vorhersagen, andererseits zu Unkenrufen von einer „Goldblase“? Dazu gibt es eine kurze und eine lange Antwort.

Zunächst die kurze: Solange Staatsschulden und die sie begleitenden Geldmengen, Letztere vor allem aufgebläht durch den US-Notenbankchef Ben Bernanke, ins Unermessliche zu wachsen drohen, solange also das beliebig vermehrbare sogenannte Papiergeld damit im Vergleich zu realen Gütern an Wert verliert, kann der Preis des nicht beliebig vermehrbaren Goldes theoretisch ins Unendliche steigen; 8000, 11.000 oder 15.000 Dollar wären dann nur Zwischenstationen. Und was die „Goldblase“ betrifft: Wer sie beschwört, unterliegt dem Trugschluss, dass der Goldpreis nicht weiter steigen kann, nur weil er seit 2001, in Dollar gemessen, schon auf mehr als das Sechsfache gestiegen ist. Dabei genügt ein Blick ins Archiv, um festzustellen, dass er von 1970 bis 1980, also ebenfalls innerhalb nur eines Jahrzehnts, in der Spitze sogar um den Faktor 24 gestiegen war. Legt man als Ausgangspreis zu Beginn des jetzigen Zyklus 260 Dollar vom Frühjahr 2001 zugrunde, entspräche der Faktor 24 einem Goldpreis von 6240 Dollar, also mehr als dem Dreifachen des aktuellen Niveaus.

Was ist Gold wirklich?

Goldaktien sind preiswert Quelle: dpa

Nun zur langen Antwort, und die hat es in sich. Das liegt an den Eigenschaften, Verwendungsmöglichkeiten und Besonderheiten des Goldes: Es ist ein knappes, leicht verformbares, wegen der Schmelztemperatur bei 1064 Grad Celsius äußerst hitzebeständiges und sogar gegen Salzsäure resistentes Edelmetall mit extrem hoher Dichte von 19,3, sodass hohe Werte sich auf kleinstem Raum von A nach B transportieren lassen. Gold ist international akzeptiertes Geld, Liquidität, Währungsreserve, Rohstoff, Schmuck, Wertaufbewahrungsmittel, Geldanlage, Versicherung, Notreserve, Schutz vor Inflation und Deflation, Spekulationsobjekt – und Mythos, was bedeutet: ein verherrlichtes Objekt, also nicht allein rational zu begreifen. Das alles trifft mit wechselnden Schwerpunkten seit Jahrtausenden auf Gold zu, und zwar in fünf Erdteilen. Das Edelmetall ist also ein internationaler Dauerbrenner, obendrein sogar ein ganz besonderer, weil ihm kein Staat der Welt – anders als allen sogenannten Papierwährungen wie Euro oder Dollar – Schulden unterjubeln kann.

So kommt es, dass Gold, obwohl zinslos, eine herausragende Rolle als Währungsreserve spielt. Nach aktuellem Stand Ende Oktober 2011, ermittelt durch den Branchenverband World Gold Council, verfügen die USA mit 8133,5 Tonnen über die höchste Menge an sogenanntem offiziellem, von der Notenbank verwaltetem Gold, entsprechend 74,2 Prozent ihrer Währungsreserven. Dahinter rangiert Deutschland mit 3401 Tonnen, das sind 74,7 Prozent der Währungsreserven. Die Besonderheit hier: Der größte Teil des offiziellen deutschen Goldes liegt im Ausland, vor allem bei der Federal Reserve Bank of New York. Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt.

Die Reservenstatistik enthält noch eine weitere Besonderheit: In einigen Euro-Ländern denkt man nicht im Traum daran, sich mithilfe von Goldverkäufen zu entschulden. Zum Beispiel in Italien, mit 2451,8 Tonnen, entsprechend 74,4 Prozent der Währungsreserven, die Nummer 4 unter den offiziellen Goldhortern gleich hinter dem Internationalen Währungsfonds. Oder Portugal, 382,5 Tonnen Gold schwer, das sind sogar 89,1 Prozent der Währungsreserven. Nicht zu vergessen Griechenland mit 111,5 Tonnen, 82,1 Prozent der Währungsreserven.

China liegt mit 1054,1 Tonnen zwar schon auf Rang 6, aber das ist im Verhältnis zu den überwiegend in US-Dollar gehaltenen Währungsreserven ein Klacks von gerade mal 1,6 Prozent. Wer das Geschehen in dem Land seit längerer Zeit verfolgt, dürfte allerdings registriert haben, dass die chinesische Regierung ihre Bevölkerung vor einigen Jahren massiv aufgefordert hatte, Gold zu kaufen – was die Chinesen denn auch in großem Umfang taten. China ist inzwischen nicht nur der weltweit größte Goldimporteur, sondern auch der führende Goldförderer.

„Es gibt keine zerknitterten Geldscheine mehr. Alle Scheine aus dem Automaten sind so glatt und sauber. Die drucken wie verrückt immer neues Geld. “ – 68-jähriger Rentner in der Innenstadt von Oelde, Westfalen

Negative Realzinsen sprechen für Gold

Unter Berücksichtigung der offiziellen und privaten Goldkäufe entfallen zurzeit auf China und Indien zusammen etwa 60 Prozent der globalen Nachfrage. Hierfür ausschlaggebend ist, abgesehen von währungsstrategischen Interessen, die zweistellige Inflation. Während  China zum Beispiel in schöner Regelmäßigkeit eine zwar steigende, aber weit unter 10 Prozent liegende Preissteigerungsrate veröffentlicht, behauptet der mit den chinesischen Gepflogenheiten bestens vertraute Investor Marc Faber: „Tatsächlich beträgt sie 10 bis 15 Prozent.“ Mit den indischen Preissteigerungen verhält es sich ähnlich. Das heißt, die Nominalzinsen für Geldanlagen in den Währungen Yuan und Rupie müssten zweistellig sein, damit die Realzinsen, also Nominalzinsen abzüglich Preissteigerungen, nicht ins Minus rutschen – auf Dauer unmöglich, ohne dass die Wirtschaft kollabiert. Also lieber Gold ohne Zinsen als Papiergeld mit negativen Realzinsen.

Wer indes glaubt, Europa und die USA stünden mit ihren viel niedrigeren Inflationsraten besser da, irrt sich. Denn die Zinsen auf Euro- und Dollar-Anlagen sind aktuell lächerlich gering, die Inflationsraten liegen darüber. Und wo die Renditen von Staatsanleihen, wie in Griechenland oder Portugal, bereits zweistellige Sätze erreicht haben, sind sie in Gefahr. Abgesehen davon muss man die europäischen und erst recht die amerikanischen Inflationsraten, wie sie uns serviert werden, mit Vorsicht genießen, weil sie hedonisch berechnet werden. Ein typisches Beispiel für den statistischen Trick mit der Hedonik: Computer mit doppelter Rechnerkapazität fließen als Preishalbierung in die Statistik ein.

Begrenztes Angebot, steigende Nachfrage

Pures Gold in Form von Barren oder Münzen ist ein solides Investment – wenn es sicher aufbewahrt wird.

Unter solchen Umständen nimmt es nicht wunder, dass neben Chinesen und Indern auch Europäer und Amerikaner Gold zunehmend als Anlagemetall favorisieren, um ein Gegengewicht zur schwindenden Kaufkraft ihrer Währungen zu schaffen. Das Instrument, dessen sie sich dazu vorzugsweise bedienen, heißt Exchange Traded Fund (ETF) und repräsentiert Gold, das den Angaben der ETF-Emittenten zufolge in Banktresoren lagert. Die Nachfrage von dieser Seite hat zwischenzeitlich die der Schmuckindustrie überholt.

Im Gegensatz zu Nachfrageschwankungen, die in letzter Zeit besonders auf das Konto von Anlegern mit Hang zum Trading gehen, schwankt das Goldangebot nur wenig. Das liegt zum einen daran, dass die Zeit großer Goldfunde vorbei ist, zum anderen an branchentypischen Besonderheiten: Minenkonzerne können ihre Förderkapazitäten nicht von heute auf morgen, sondern erst im Lauf von mehreren Jahren der steigenden Nachfrage anpassen. Einigen sind sogar die Kosten davongelaufen: durch den immer geringer werdenden Goldgehalt des geförderten Gesteins, durch teurer gewordenen Treibstoff und durch hohe Investitionen in den Maschinenpark.

Solange das Angebot begrenzt bleibt und die Nachfrage steigt, findet der Ausgleich über einen immer höheren Goldpreis statt.

James Turk kontra Uli Hoeneß

Die entscheidende Frage ist: wie lange? Bekommt am Ende James Turk recht? Er dokumentiert  seine jüngste Prognose mit dem aktuell sehr hohen Papiergeld-Gold-Verhältnis, ermittelt aus den Beständen der Zentralbanken, und kommt so zum „fairen Goldpreis“ von mehr als 11.000 Dollar. Oder bekommt Bayern München-Präsident Uli Hoeneß recht, der neulich dem Handelsblatt verriet: „Es gibt keinen Grund, Gold zu haben.“ Seine Begründung gipfelte in dem Satz: „Wenn alles kaputt gehen sollte, dann nützt mir mein Gold auch nichts.“

Damit repräsentiert Hoeneß geradezu klassisch all jene, die Gold schon abgeschrieben haben – er selbst gibt zu, es bei 350 Dollar verkauft zu haben. Derweil lauern andere auf die Chancen, die sich allein aus dem Papiergeld-Gold-Verhältnis ergeben. Zu ihnen gehören große Versicherer, Pensionskassen, Family Offices und weitere Großanleger. Danach sieht es so aus, als würde James Turk am Ende recht bekommen.

© 2011 Handelsblatt GmbH – ein Unternehmen der Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH & Co. KG
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