D: Im Durchschnitt alle 15 Jahre eine neue Währung seit 90 Jahren

Immobilien sind keine Rettung beim Währungscrash

Wer glaubt, mit einer Immobilie sein Vermögen auf der sicheren Seite zu haben, der irrt. Der Staat hat viel Erfahrung darin, Hausbesitzer zu schröpfen.

Schon mal daran gedacht, der Euro-Krise durch Immobilienkauf zu entkommen, finanziert durch ein sehr zinsgünstiges Darlehen?

Foto: PA/ZB Deutsche setzen zur Sicherung ihrer Vermögen gern auf Immobilien. Die Geschichte lehrt, dass diese Strategie nicht immer aufgeht. Vor allem nicht im Umfeld einer Währungsreform

Ein heute 90-jähriger Deutscher hat bisher mindestens sechs Währungen erlebt; wenn er im Westen gelebt hat gottlob „nur“ fünf. Das macht im Schnitt alle 15 Jahre eine neue Währung. Auch wenn die Wahrnehmung der jungen Generation eine andere ist, Währungen hierzulande kommen und gehen zu häufig. So muss man sich vom linearen Denken verabschieden, dass die Währung ein statischer Faktor unseres Lebens ist.

Vor nicht einmal 100 Jahren, im August 1914, also in den ersten Kriegstagen, wurde das erste monetäre Ermächtigungsgesetz verabschiedet: das Deutsche Reich erhielt direkt Zugang zum Notenbankkredit und die Unterlegung der Banknoten durch Gold wurde gesetzlich untersagt. Die dadurch verbundene Geldschöpfung führte aber erst sieben Jahre später und lange nach Kriegsende ab 1921 zur galoppierenden Hyperinflation.

Im November 1923, also nur wenige Tage nach dem „Hitler-Putsch“ in München, wurde von Reichsmark auf Rentenmark umgestellt. Die Staatsschuld des Deutschen Reiches verminderte sich so von 164 Milliarden Mark auf sage und schreibe 16 Pfennige (die „Schuldenbremse“ der Weimarer Republik).

Das zweite monetäre Ermächtigungsgesetz kam 1933, als die Deutsche Reichsbank den „Weisungen und der Aufsicht des Führers und Reichskanzlers“ unterstellt wurde. Die Finanzierung des Zweiten Weltkrieges erfolgte so geräuschlos, dass selbst 1948, drei Jahre nach dem Krieg, die Deutschen mehrheitlich an den Fortbestand der Reichsmark glaubten.

Allerdings hat ein nicht unbedeutender Teil der Deutschen, damals wie heute, das geldpolitische Unheil geahnt und dem System nicht mehr vertraut. Was war im Ersten und Zweiten Weltkrieg die Alternative, sein Vermögen gegen Währungsverlust oder Inflation abzusichern? Wie heute auch begannen viele Bürger, sich zu verschulden und ihr Vermögen gehebelt in Immobilien zu investieren. Diese vermeintliche Absicherung hat der deutsche Staat immer zum eigenen Vorteil zu nutzen gewusst, konsequenterweise immer nach dem Zerfall des alten Systems zur Finanzierung des neuen.

Mit dem „Reichsnotopfer“ wurden Vermögen um 65 Prozent reduziert

Durch die Finanzreformen von Matthias Erzberger 1919-20 wurde der Spitzensatz auf die Einkommensteuer von vier Prozent (Vorkriegs-Preußen) auf 60 Prozent drastisch erhöht und ein „Reichsnotopfer“ eingeführt, das die Enteignung der deutschen Vermögen um 65 Prozent vorsah. Zusätzlich gab es von 1924 bis 1942 auf Länderebene eine „Hauszinssteuer“, um Vermögensgewinne durch Währungsreform und Hyperinflation abzuschöpfen. Sie galt für alle Immobilienkäufe vor Juli 1918.

Auch die Währungsreform im Juni 1948 führte schließlich zum Erfolg. Die alte Reichsmark konnte im Verhältnis 10:1 in die D-Mark umgetauscht werden. Sie war bereits 1947 in den USA gedruckt worden (den griechischen Lesern wird an dieser Stelle ein mulmiges Gefühl ereilen). Schulden von Reich, Post und Bahn wurden komplett gestrichen, Banken erhielten Ausgleichsforderungen.

Bei der D-Mark-Einführung kassierte das Finanzamt ab

Die westdeutsche Währungsreform von 1948 sah auch eine 50-prozentige Vermögensabgabe im Rahmen des Lastenausgleichgesetztes vor. Entscheidend aber war, dass Hypotheken zwangsweise 1:1 umgestellt wurden, wobei nur zehn Prozent dem Alt-Gläubiger zu zahlen waren, aber 90 Prozent dem bundesrepublikanischen Finanzamt. Jeder, der also versuchte, durch Immobilieneigentum sich aus dem absehbaren Finanzkollaps des Zweiten Weltkrieges zu entziehen, wurde ab 1948 die wahre Rechnung präsentiert – er musste einen 90-prozentigen Wertverlust hinnehmen und damit Westdeutschland finanzieren.

Da passt es auch ins Bild, dass Finanzminister Wolfgang Schäuble erst im Dezember 2011 Levin Holle als Abteilungsleiter „Finanzmarktpolitik“ eingestellt hat. Der ehemalige Senior Partner der „Boston Consulting Group“ in Berlin hat noch letzten September vorschlagen lassen, deutsche Sparvermögen durch eine Einmal-Steuer so zu belasten, dass dem Bund sechs Billionen Euro zufließen.

So wie bereits zweimal im letzten Jahrhundert sind heute der EFSF und der kommende ESM der dritte Versuch des deutschen Staates, Staatsschulden zu monetisieren. Wer also heute bei knapp einer Billion Euro an deutschen Bürgschaften, Garantien, Kapitaleinschüssen daran denkt, durch fremdfinanzierten Immobilienkauf sein Vermögen abzusichern, der sollte daran danken, dass der deutsche Staat ein langes Gedächtnis und erheblich mehr Erfahrung hat, Vermögensgewinne durch Währungsumstellung im nächsten System zum eigenen Vorteil systematisch abzuschöpfen.

Der Autor ist Finanz-Stratege und Partner bei EPM Group Berlin.

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Kommentare:
Querdenker aus München
vor 2 Tag
Immobilie kaufen und bar bezahlen.
So macht man (n) in München das.

Martin
vor 2 Tag Antwort auf Querdenker aus München
Überteuerte Immobilien bei momentanen Höchstpreisen zu kaufen ist sicher die beste Strategie..

Weihnachtshase
vor 1 Tag Antwort auf Martin
Wer sind eigentlich die Preistreiber? War da nicht irgendwann mal eine Immobilienkrise in den USA bei der die Banken gerettet werden mußten?

Eine deutschlandweite Maklerkette, Tochterunternehmen einer großen deutschen Bank, die ebenfalls mit Steuergeldern gerettet werden mußte, ist sehr aktiv im Verkauf von überteuerten Schrottimmobilien.

Das sind zum Beispiel „ständig modernisierte“ Reihenhäuser aus den fünfziger und sechziger Jahren. Diese sogenannten Modernisierungen oder sollte ich besser Bastelarbeiten sagen, können Sie dann in Besichtigungen bestaunen.

Auf Nachfragen hinsichtlich des diesbezüglich unverständlichen Preises wird auf die momentane „Marktlage“ verwiesen und auf die Möglichkeit einer „günstigen“ Finanzierung bei der Hausbank (Wer das wohl ist?) hingewiesen.

tk7936
vor 1 Tag Antwort auf Weihnachtshase
Mir ist aufgefallen das REMAX hier in der Gegend defakto ALLES aufkauft was der Markt zu bieten hat und dann nach Aufschlag von 10 % wieder verkauft. So werden internationale Immobilienfonds subventioniert die momentan massenhaft Geld nach Deutschland pumpen.

HB
vor 2 Tag Antwort auf Querdenker aus München
So denke auch ich. Und wer nun glaubt sich ein “Eigenheim” auf Punp zu kaufen, der wird eine boese Ueberraschung erleben, denn das Eigenheim ist und bleibt stets das Eigentum der Bank, bis der letzte Pfennig der Hypothek bezahlt ist. Nach einem Finanzcrash darf man froh sein, wenn man seine “eigene Huette”  von der Bank, zu deren Bedingungen natuerlich, zurueckkaufen darf.

Soistdasnicht
vor 2 Tag Antwort auf HB
Das ist falsch.
Der Besitzer ist auch Eigentümer.
Die Bank hat „nur“ eine eingetragene Grundschuld.
Deshalb bekommt die Bank das Haus auch nicht einfach, wenn der Schuldner nicht mehr zahlen kann. Die Bank kann das Haus auf der Zwangsversteigerung kaufen.

HB
vor 2 Tag Antwort auf Soistdasnicht
Und es ist die Bank, die sich auf eine Versteigerung einlaesst oder nicht. Schliesslich wollen die ihr Investment schuetzen. Eine Versteigerung findet nur dann statt, wenn der Eigentuemer (die Bank) keine anderen Moeglichkeiten mehr sieht, um an ihr Kapital zu gelangen. Ich kann es mir kaum vorstellen, dass eine Bank sich nicht abgesichert hat. Das sind die ersten, die das Leid anderer zu ihrem Vorteil ausnutzen. Natuerlich koennte man dagegen ansticken, aber wir haben es in solchen Faellen mit Mittellosen Kunden zu tun.

Traurigaberwahr
vor 2 Tag Antwort auf HB
Deswegen dese Leute Pleite gehen lassen ,auch wenn sie „Deutsche bank “ heissen -und ihnen nicht noch mehr Geld für die „Griechenland-Rettung“ geben.
Das geld für diese sogenannte Rettung geht sofort an Banken für offene Zinsen-nicht an griechen oder italiener…

G.Spinst
vor 2 Tag Antwort auf Soistdasnicht
träumer…

Wirtschaftsweiser
vor 2 Tag Antwort auf Soistdasnicht
Das ist nicht ganz korrekt. Die Grundschuld besteht auch noch, wenn der Schuldner das Darlehen zurückgezahlt hat. Solange, bis die Grundschuld aus dem Grundbuch ausgetragen ist. Kann der Gläubiger aber die raten nicht mehr zahlen ist das bis dahin zurückgezahlte Geld und das Haus weg.
Die Bank verkauft das Haus auf einer Zwangsversteigerung und erhält das erzielte Geld.

Gast 0815
vor 1 Tag Antwort auf Wirtschaftsweiser
so ist es! Was ist moralischer eine Bank zu eröffnen oder eine Bank auszurauben?
2

nur ich
vor 2 Tagen Antwort auf Soistdasnicht
Schauen Sie sich mal die ARD-Doku „und plötzlich ist das Haus weg “ an! Über Google leicht zu finden und es wird Sie sicher eines Besseren belehren.

Ein Haus kann man schneller unterm Hintern weggezogen bekommen, als man schauen kann. Die Banken haben ihre Mittel und Wege – der Dumme ist stets der Hypothekennehmer.
30

Gast 0815
vor 1 Tag Antwort auf Soistdasnicht
Es ist aber so das Sie das Haus loswerden. Ob die Bank es nun auf der Versteigerung bekommt oder ein Anderer, Effekt ist aber Sie sind das Haus los und haben meistens noch Schulden.
6

Gast-123
vor 2 Tagen Antwort auf HB
Das stimmt. In Spanien ist das so, dass die Immobilie der Bank gehört, bis der letzte Cent der Grundschuld bezahlt ist. Da können Sie hundertmal Eigentümer sein und nur zu 10 Prozent beliehen haben. Die Bank kann trotzdem zwangsversteigern und/oder Sie zum Auszug aus der Immobilie nötigen.
Das ist nur ein Beispiel, womit sich die EU-Beamten beschäftigen könnten, zumal es auch viele Deutsche treffen würde.
20

Schutzengel-muc
vor 2 Tagen Antwort auf HB
… und wie ist dies bei Hr. Wulff?
… ist dessen Haus schon bezahlt, oder zahlt Hr. Wulff noch an den Kredit?

Herzliche Grüße
aus München

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Das aufsässige Schaf
vor 1 Tag Antwort auf Schutzengel-muc
Aber liebster Schutzengel-muc, Sie werden sich doch wohl nicht an einem Wulff orientieren wollen?

lanzas
vor 1 Tag Antwort auf HB
Wer hat diesen Artikel in Auftrag gegeben?
Immobilien bilden immer eine Sicherheit; natürlich spielen auch die Konditionen eine Rolle.
Meine
spanische Schwägerin kaufte 1986 in Spanien ihre 80 qm grosse Wohnung
und bezahlte als Hypothek die Summe, welche ich als Miete in Berlin für
eine 55qm grosse Wohnung zahlte. Nach 20 Jahren besass ich nichts, als
ich auszog. Meine Schwägerin besass nach 20 Jahren 80.000,00 Euro für
den Kauf einer kleineren Wohnung. Das war eine andere Zeit der Krise!

Axelputra
vor 1 Tag Antwort auf lanzas
da wär ich doch glatt nach Spanien gezogen! und bezahlte eine Hypothek, ich dachte man nimmt eine H auf und zahlt sie ab und bei uns, 1978 kauften wir ein Grundstück für 18 DM/m2, heute kostet der m2 c 150€ und nu!?

Torsten
vor 2 Tagen Antwort auf Querdenker aus München
Hat man damals in Breslau auch gemacht.

MK
vor 2 Tagen Antwort auf Querdenker aus München
Erst kaufen wenn der Immo Markt kollabiert ist. Vorher den Zyklus in Gold und Silber reiten.

.

Klaus G.
vor 3 Tag
Genau, da zahlt man 20 Jahre an seiner Hütte ab und danach latzt man nochmals 90% an den Staat…. Neee, is klar…

Abc
vor 2 Tag Antwort auf Klaus G.
Na klar ist das klar. Der Staat ist nun mal der größte Verbrecher und sitzt am längeren Hebel. Nur dieses mal läuft die Sache nicht so glatt wie 1948, jetzt knallts wenn sie denken die können uns schröpfen.
Wenn ich durch sowas meine Bude loswerden sollte weil ich die Zwangshypothek nicht mehr bezahlen kann nehme ich von diesen Nimmersatten welche mit, das ist ein Versprechen.

Vogel
vor 2 Tag Antwort auf Abc
Bevor ich meine Hütte dem Staat geben muss, zünd‘ ich sie lieber an.

Kit Holz
vor 2 Tag Antwort auf Vogel
Genau!

Jaan Brandenburg
vor 2 Tag Antwort auf Vogel
Leider brennt die eingetragene Grundschuld nicht mit.

Graf Igzorn
vor 2 Tag Antwort auf Abc
Kooperation, insbesondere Bürgerwehren, werden in so einer Situation den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen. Wenn mir jemand unverschuldet an Haus und Hof geht, werde ich ähnlich verfahren…

Kit Holz
vor 2 Tag Antwort auf Graf Igzorn
So soll es sein!

Kit Holz
vor 2 Tag Antwort auf Abc
Wir wärs mit abwählen? Angst vor der Uebernahme von Verantwortung?

Jaan Brandenburg
vor 2 Tag Antwort auf Abc
Das hört sich schön an und so denken sicherlich sehr viele Bürger, aber hast du einmal durchdacht, wie du dies anstellen willst?

Lmaa
vor 2 Tag Antwort auf Abc
wir alle (und unglücklicherweise auch Sie) sind der Staat…“ Sie Verbrecher, Sie“

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