Casanova nun bei Notenstein, Amerika und die sieben Zwerge

Amerika und die sieben Zwerge (Titelbild der Weltwoche, Ausgabe 05/2012, 02.02.2012)

Bildkommentar: Viele in der Schweiz lebende Leser haben naiv daran geglaubt die 7 Zwerge seien ein Märchen und wurden nun eines Besseren belehrt: Amerika und die sieben Zwerge (Titelbild der Weltwoche, Ausgabe 05/2012, 02.02.2012)

Märchen und Wirklichkeit. Hier bittere Wirklichkeit.
Was hat Casanova mit Amerika und den sieben Zwergen zu tun?

Der Reihe nach:

Frage: Hätte es Casanova was gebracht, er wäre Kunde bei Wegelin geworden?

Es wurde folgender Satz von „Casanova“ kolportiert:

Ich bin nicht Kunde bei Wegelin & Co., weil ich nichts von langfristigen Beziehungen halte.“

Antwort: JA, vermutlich. Er kann aktuell Kunde werden bei der «Notenstein Privatbank»

und würde weiterhin von derselben Bankberater-Mannschaft betreut. Seine Kundendaten sind weiterhin sicher. Er ist jetzt zwar nicht mehr Kunde bei einer „Privatbank mit pers. haftenden Teilhabern“, sondern bei einer Genossenschaftsbank:

Motto: Man muss das Raiff-Eisen schmieden solange es heiss ist! 

Näheres dazu in der Chronologie:

 27.01.2012: Wegen US Aktivitaeten ist die gesamte Bank Wegelin in eine derart schwierige Situation gekommen, dass es am 27.01.2012 in den Medien hiess:

27. Januar 2012, 13:32, NZZ Online

Bank Wegelin kapituliert im Streit mit den USA

Raiffeisengruppe übernimmt den Grossteil des Privatkundengeschäfts

Die älteste Schweizer Privatbank, die 1741 gegründete St. Galler Bank Wegelin, gibt auf. Sie ist durch die angedrohte Klage der USA offenbar in eine derart schwierige Situation gekommen, dass sie sich zu diesem radikalen Schritt entschieden hat. Die Raiffeisen-Gruppe, die ebenfalls in der Stadt St. Gallen ihren Hauptsitz hat, übernimmt den Grossteil des Privatkundengeschäfts von Wegelin.

Wegen der grossen Risiken des US-Geschäfts erfolgt die Übernahme über einen Umweg: Der Grossteil der Kunden und Mitarbeiter wird in eine neue «Notenstein Privatbank» transferiert, die von Raiffeisen zu 100 Prozent übernommen wird. Über den Kaufpreis ist Stillschweigen vereinbart worden.]

Quelle  http://www.nzz.ch/ ]

02.02.2012: Jetzt wird die Rolle des Schweizer Bundesrats, der FINMA etc. in der Sache näher analysiert: zB.

Im Editorial der Weltwoche, Ausgabe 05/2012, 02.02.2012, schreibt der Chefredaktor Roger Köppel:

Wegelin:  Die zerstörte Bank scheint nichts Widerrechtliches getan zu haben. Enttäuschung über die USA.

Vertiefte Recherchen der Weltwoche lassen den Schluss zu, dass sich die kürzlich unter dem Druck amerikanischer Ankläger verkaufte Schweizer Privatbank Wegelin keine strafrechtlich relevanten Vergehen hat zuschulden kommen lassen. Weder nach amerikanischem noch nach schweizerischem Recht.

Die Bank wird von den Amerikanern beschuldigt, sich an einer conspiracy beteiligt zu haben, also an einer bandenmässigen Anstiftung amerikanischer Bankkunden zum Steuerbetrug. Letztlich hat der auf dieser Grund­lage entwickelte Klagedruck dazu geführt, dass die altehrwürdige Privatbank aufgetrennt und in Teilen verkauft werden musste. Die Drohung allein reichte, um den St. Gallern die Luft abzudrehen.

Nach Recherchen der Weltwoche gibt es bis heute keine Beweise, die eine Basis bilden könnten für den von den Amerikanern erhobenen Vorwurf der conspiracy. Um es in rechtlicher Hinsicht verständlich zu machen: Wenn der amerikanische Staat eine Schweizer Bank in Steuerdelikten vor den Richter bringen möchte, dann muss er ihr zwingend Anstiftung und aktive Beihilfe (conspiracy) zum ­Steuerbetrug und zu ähnlichen Vergehen nachweisen können. Gelingt ihm dies nicht, hat er keine Handhabe, gegen die Schweizer Bank vorzugehen.

Zum Vergleich: Der UBS konnten die US-Behörden stichhaltig nachweisen, dass sich die Bank aktiv an der Steuerumgehung von Kunden beteiligt hatte. Das bandenmässige Zusammenwirken zwischen Bank und US-Kunden liess sich zumindest in einigen Fällen beweisen. Nach unseren Informationen ist dies bei der Bank Wegelin nicht der Fall.

Was hat die Bank Wegelin getan? Sie hat in den Jahren 2008 und 2009 eine Reihe von US-Kunden unter anderem von der UBS übernommen. Nach unseren Recherchen hat sie sich nicht aktiv um diese Kunden bemüht. Sie scheint keine Amerikaner angeworben zu ­haben, es gab keinen speziellen US-Desk zur Betreuung von US-Kunden. Es lassen sich, soweit man das heute beurteilen kann, keine Hinweise finden, die zeigen würden, dass die Bank ­aktive Beihilfe oder gar Anstiftung zu Steuerdelikten gegeben hätte.

Gewiss: Es stimmt, dass Wegelin US-Kunden mit unversteuertem Geld annahm. Das mag unklug gewesen sein und politisch unsensibel vor dem Hintergrund der UBS-Affäre. Bevor man zu vorschnellen Verurteilungen greift, sollte man sich allerdings vor Augen halten: Nach Schweizer Recht ist es einer Bank verboten, zu Steuerdelikten anzustiften oder Beihilfe zu leisten. Die passive Annahme von unversteuertem Geld ist nach Aussage von Juristen weder in der Schweiz noch in Amerika verboten. Es gibt kein Gesetz, nach dem sich Wegelin strafbar gemacht hätte, und in Rechtsstaaten gilt nach wie vor der Grundsatz, dass es ohne Gesetz auch keine Strafe geben kann.

So verdichten sich die Hinweise, dass die Bank Wegelin zu Unrecht ins Visier der US-Behörden geraten ist. Pointierter ausgedrückt: Möglicherweise kam Wegelin nur deshalb unter Beschuss, weil die Amerikaner eine aggressive, sagen wir: imperialistische Auslegung der ­eigenen Steuergesetze vornahmen. Dass die Amerikaner dies taten, ist enttäuschend. Dass die Schweizer Behörden nichts dagegen unternahmen, ist erschütternd.

Der Bundesrat hat sich bisher im Wesentlichen darauf beschränkt, der enthemmten US-Justiz moralische Schützenhilfe zu gewähren. Finanzministerin Widmer-Schlumpf äus­serte sich schon im letzten Jahr kritisch über Schweizer Banken, die amerikanische UBS-Kunden aufgenommen hätten. Ihre Kollegen Schneider-Ammann und Leuthard verbreiten ebenfalls Verständnis für die skandalöse Neigung der Amerikaner, während Friedensverhandlungen den Schweizer Finanzplatz unter Feuer zu nehmen.

Chef-Unterhändler Michael Ambühl, beauftragt, mit den USA eine Gesamtlösung im Steuerstreit auszufechten, hatte bisher zwar keinen erkennbaren Erfolg, aber immerhin lässt er im Gespräch durchblicken, dass er die Angriffe weit fragwürdiger findet als seine Vorgesetzten im Bundesrat, die öffentlich die Schweizer Banken kritisieren und damit Ambühls Verhandlungsposition untergraben.

Das Unheimliche an den Vorgängen ist die schleichende Abwrackung von Rechtssicherheit und Bankkundengeheimnis in der Schweiz. Ohne dass die Stimmbevölkerung ­etwas dazu zu sagen hätte, werden vormals eherne Bestände unseres Rechtsstaats zu ­Grabe getragen. Die Behörden vermittelten phasenweise den Eindruck, als ob es sich bei den von uns jahrzehntelang gehätschelten US-Kunden um Schwerverbrecher handle, die man schleunigst auf einer Sondermülldeponie entsorgen müsse. Das abfällige Gerede über «amerikanische Steuerbetrüger», das bis hinauf in den Bundesrat gepflegt wird, ist eine Schutzbehauptung, die von der irritierenden Tatsache ablenken soll, dass die Regierung nichts dagegen unternimmt, wenn die US-Justiz auf dürrer Rechtsgrundlage einen Feldzug gegen den Schweizer Finanzplatz führt.

Natürlich ist die Frage nicht einfach zu beantworten, wie die Schweiz auf Drohungen der Supermacht Amerika reagieren soll. Die USA entwickeln eine zusehends abstossende Tendenz, ihr Recht grenzübergreifend anzuwenden. Erkennbar ist eine immer aggressivere Auslegung dessen, was eine Verletzung der amerikanischen Staatskassen bedeuten könnte.

Die Schweiz kann sich nicht mit Flugzeugträgern und Marschflugkörpern wehren, aber sie kann den eigenen Rechtsstandpunkt entschiedener zur Geltung bringen. Der Bundesrat muss sich spätestens jetzt geschlossen und einstimmig hinstellen. Jegliche Kritik an den ­eigenen Banken darf er privat äussern, aber ­sicher nicht öffentlich. Die Botschaft an die andern lautet, dass man es nicht dulden werde, dass die Amerikaner während der Verhandlungen weitere Banken attackieren. Der Zürcher Finanzprofessor Martin Janssen hat dazu bedenkenswerte Vorschläge eines Schutzschirms unter Beteiligung der Finanzmarktaufsicht und der Nationalbank entwickelt.

Wir wollen den Strafuntersuchungen nicht vorgreifen, aber nach heutigem Wissensstand sind wir mit der traurigen Tatsache konfrontiert, dass eine unbescholtene Schweizer Privatbank mit fragwür­digen Methoden kaputtgeklagt wurde, ohne dass sich die Schweiz dagegen zur Wehr setzte. Dass der Angriff ausgerechnet aus Amerika kam, betrübt ­alle, die in den Vereinigten Staaten, vielleicht ­naiv, den Inbegriff von Freiheit, Marktwirtschaft und Rechtsstaatlichkeit gesehen haben.

[Quelle]

Viele in der Schweiz lebende Leser haben naiv daran geglaubt die 7 Zwerge seien ein Märchen und wurden nun eines Besseren belehrt:

Amerika und die sieben Zwerge (Titelbild der Weltwoche, Ausgabe 05/2012, 02.02.2012), s.o.

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Giacomo Casanova. Dem Herrn Neuhaus, der sehr oft unterwegs war in ganz Europa, damals zu einer Zeit, ohne Kreditkarten ohne Euro. Giacomo Girolamo Casanova (* 2. April 1725 in Venedig; † 4. Juni 1798 auf Schloss Duchcov (Dux) im Königreich Böhmen, heute Tschechien) war ein venezianischer Schriftsteller, Abenteurer und Libertin des 18. Jahrhunderts, bekannt durch die Schilderungen zahlreicher Liebschaften [da liegt es in der Natur der Sache, dass diese keine Langfristigkeit aufweisen] Schon im 19. Jahrhundert tauchte die Figur Casanova in künstlerischen Werken auf.

Information:  wegelin bei wiki

Dem geneigten Leser fällt auf, dass zu Zeiten Casanovas die Bank Wegelin noch nicht Wegelin hiess, also hätte „DER“ Casanova NIE Kunde bei Wegelin werden können :-).

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Ein Kommentar zu “Casanova nun bei Notenstein, Amerika und die sieben Zwerge

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