Notenbanken bereiten sich auf Marktbeben vor

Bei den aktuellen Wahlen in Griechenland sind keine klaren Prognosen möglich, jedenfalls stehen die Druckerpressen (für weitere Geldscheine) bereit.

Der Tages-Anzeiger (Zürich) schreibt:

Notenbanken bereiten sich auf Marktbeben vor

Noch ist schwer abzuschätzen, was nach der Schicksalswahl in Griechenland geschieht. Die wichtigsten Währungshüter bereiten sich vor. Unabhängig davon wollen die Briten Milliarden in ihre Banken pumpen.

Notenbanker sprechen von «schwarzen Wolken» und «kommenden Stürmen»: Angespannte Stimmung vor der Wahl.

Notenbanker sprechen von «schwarzen Wolken» und «kommenden Stürmen»: Angespannte Stimmung vor der Wahl. Bild: Keystone

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat angekündigt, notfalls die Geldschleusen weiter zu öffnen. Die EZB habe während der Krise durchgehend darauf geachtet, dass die Banken genug Geld bekämen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten, sagte Draghi heute in Frankfurt am Main. «Das Eurosystem wird weiter Liquidität bereitstellen, wenn das benötigt wird», sagte er.

Damit ging Draghi indirekt auf Marktgerüchte ein, wonach sich die Zentralbanken darauf vorbereiten, nach der Griechenland-Wahl am kommenden Sonntag massiv Geld in die Märkte zu pumpen, um das Geldsystem zu stützen.

Koordinierte Aktion

Gestern wurde verlautet, die wichtigsten Notenbanken der Welt bereiteten sich auf schwere Marktturbulenzen nach der Schicksalswahl in Griechenland vor. Die Zentralbanken stünden für eine koordinierte Aktion zur Stabilisierung der globalen Finanzmärkte bereit. Um eine Kreditklemme zu verhindern, bereiteten sich die Notenbanker auf eine Versorgung der Finanzmärkte mit Liquidität vor. Der Ausgang der Parlamentswahl in Athen könnte Experten zufolge das Ende des Euro in Griechenland besiegeln, sollten sich die Spar- und Reformgegner durchsetzen.

An der Wallstreet hatten Händler gestern mit Zukäufen auf die Gerüchte reagiert. In New York bauten die wichtigsten Indizes ihre Gewinne aus. Der Euro gewann, während US-Staatsanleihen unattraktiver erschienen und abgestossen wurden.

Eurofinanzminister beraten am Sonntag

Weltweit laufen die Vorbereitungen für den Ernstfall namens «Grexit». Die Finanzminister der Eurozone wollen am Sonntagabend in einer Telefonkonferenz über das Ergebnis der Wahl beraten. Die Hauptsorge sei das Risiko von grösseren Kapitalabflüssen, sollte sich die radikale Linkspartei Syriza eindeutig durchsetzen, sagte ein Eurozonenvertreter.

Syriza lehnt die Auflagen der internationalen Geldgeber ab, will das Land aber dennoch im Euro halten. Gestern bekräftigte Parteichef Alexis Tsipras seine Entschlossenheit, die Hilfsbedingungen nach einem Wahlsieg zu kippen.

Krisentreffen möglich

Um schweren Marktreaktionen entgegenzuwirken, sind auch Währungsinterventionen möglich. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte dies gestern in ihrem Stabilitätsbericht einmal mehr bekräftigt. So will sie die Untergrenze zum Euro auf jeden Fall verteidigen und ist dazu bereit, am Devisenmarkt zu intervenieren. Um ihre Anlagen weiter zu diversifizieren, investiert die SNB gemäss eigenen Aussagen unter anderem in den koreanischen Won. Auch Japan könnte eingreifen und seine Währung schwächen, sollten Anleger auf der Suche nach einem sicheren Hafen den Wert des Yen in die Höhe treiben.

Ein G-20-Vertreter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, abhängig von der Heftigkeit der Reaktionen könnte am Montag oder Dienstag ein Krisentreffen von Ministern der Gruppe der sieben grössten Industriestaaten (G-7) angesetzt werden. Per Telefon könnten die Notenbanker zugeschaltet werden.

Briten halten 100 Milliarden bereit

Der britische Finanzminister George Osborne erklärte zudem, als Reaktion auf die Lage an den Kreditmärkten würden die Regierung in London und die Bank of England zusammen handeln und neue geldpolitische Instrumente einsetzen. Im Kampf gegen die zunehmenden Gefahren der Eurokrise will Grossbritannien sein Bankensystem mit mehr als 100 Milliarden Pfund fluten. In einer koordinierten Aktion von Regierung und Zentralbank soll die Kreditvergabe angekurbelt werden – unabhängig vom Wahlausgang in Griechenland.

Das Land werde in wenigen Wochen ein entsprechendes Programm auflegen, sagte Notenbank-Chef Mervyn King in einer Rede vor Londoner Bankiers. Die Geldhäuser sollen damit auf eine günstige langfristige Finanzierung zugreifen können und zur Kreditvergabe an Unternehmen und Konsumenten ermutigt werden. Nach Angaben aus dem Finanzministerium könnte allein der Plan der Regierung neue Darlehen in Höhe von schätzungsweise 80 Milliarden Pfund unterstützen.

«Schwarze Wolke» und «kommende Stürme»

King warnte, die Euroschuldenkrise würge die Konjunktur ab. «Die schwarze Wolke hat die Lebenskraft geschwächt», sagte er. «Unternehmen und Haushalte bereiten sich auf die kommenden Stürme vor.» Finanzminister George Osborne rief die Länder der Eurozone auf, die Krise endlich in den Griff zu bekommen.

Grossbritannien müsse sich nun selbst schützen. «Wir sind nicht machtlos im Angesicht des Schuldensturms der Eurozone», sagte er. «Gemeinsam können wir mehr Feuerkraft entfalten, um unsere Wirtschaft gegen die Krise vor unserer Haustür zu verteidigen.»

Aktivierung der Notfallliquiditätshilfe

Die Kredite an die Banken sollen mit einer Laufzeit von wahrscheinlich drei bis vier Jahren ausgestattet werden. Die Verzinsung soll unterhalb der derzeitigen Marktzinsen liegen. Die Zentralbank werde zudem ihre Notfallliquiditätshilfe aktivieren, die im Dezember geschaffen wurde, sagte King.

Gegen die Hinterlegung von Sicherheiten sollen die Banken Kapital für sechs Monate erhalten können. Mit dieser Operation sollen den Finanzinstituten mindestens fünf Milliarden Pfund pro Monat angeboten werden, ergänzte King. Zugleich sagte er, es gebe mehr Argumente für eine geldpolitische Lockerung durch den Aufkauf weiterer Staatsanleihen durch die Notenbank.

Quelle  http://www.tagesanzeiger.ch/(ami/sda)

Dazu sicher auch als Anhaltspunkt lesenswert, ein Interview mit dem Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann über die möglichen Szenarien nach den Wahlen in Griechenland:

Die Griechen versuchen (am 17.06.2012)  erneut, ein neues Parlament zu wählen. Welches Resultat wäre aus ökonomischer Sicht bei dieser Schicksalswahl wünschenswert?
Für die griechische Wirtschaft wäre es am besten, wenn die Parteien gewinnen, die mit der EU weiter zusammenarbeiten wollen – also die Konservativen – und diese dann eine Koalition mit den linken Parteien bilden. Das würde dem Land wieder etwas mehr Stabilität bringen. Leider ist dieses Szenario unwahrscheinlich, da es ja bekanntlich schon letztes Mal schief ging. Mehr

Quelle http://www.tagesanzeiger.ch/

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