Bilanzverlaengerung bei Banken zur Schaffung neuen Geldes

Da öfter schon gefragt wurde, was denn eine Bilanzverlängerung (mit der zB. “ Luftgeld “ geschaffen werden könne), sei:

Eine so genannte Bilanzverlängerung findet statt, weil beide Seiten

der Bilanz betragsmäßig erhöht werden. Es handelt sich um

eine erfolgsneutrale Buchung, denn Erfolgskonten werden nicht angesprochen.

Dazu Prof. Hörmann in einem Interview (s. © unten):

Hörmann: Der wirkliche Skandal ist, dass unser gesamtes Geldsystem auf Schulden basiert. Das heißt, die Geldschöpfung funktioniert zu 97 Prozent in den Geschäftsbanken. Auch Staaten nehmen so Kredite auf: Die Zentralbanken machen das durch eine Bilanzverlängerung. Über eine Bilanzverlängerung kann man aber kein Geld erzeugen. Die chinesische Staatsbank erfindet auch Geld aus Luft, nur lustigerweise, ohne dass eine Staatsschuld entsteht. Das sollten wir auch machen. Der chinesische Wirtschaftswissenschafter Wu hat bei einem Vortrag an einer amerikanischen Universität gesagt: Er werde oft gefragt, warum es in China so viele Unternehmensgründungen gegeben hat. Die chinesische Staatsbank habe Gründungskredite hergegeben, die waren unverzinst und mussten nicht zurückgezahlt werden. Das kann man natürlich nur als Zentralbank machen, wenn man einseitig bucht und nicht gleichzeitig Schulden erzeugt. Und wenn man dann sagt: Um Gottes Willen, dann gibt’s ja Inflation! Das haben die Chinesen über eine Preisregulierung gesteuert und waren damit wieder die Schlaueren. Das will aber bei uns keiner hören, weil das geht gegen das Dogma der freien Märkte, die Blasenmaschinen zum Missbrauch für die Eliten sind. “

Das © (copyright) liegt bei derStandard.at GmbH

weiter siehe der gesamte Artikel via  ! Luftgeld„, Prof. Hörmann, Wien

Umgekehrt wäre es eine Bilanzverkürzung,

Beispiel siehe „… der Gewinn- und Verlustrechnung, nämlich der Jahresüberschuss, wird in

das Eigenkapitalkonto gebucht. Wenn also der Jahresüberschuss sinkt,

dann sinkt auch das Eigenkapital, wenn der Jahresüberschuss steigt,

dann steigt auch das Eigenkapital. Dadurch führt diese Verminderung

des Saldos der Gewinn- und Verlustrechnung um 2000 € schließlich auch

zu einer Verminderung eines passiven Bestandskontos, nämlich des Eigenkapitals,

in Höhe von € 2.000,-. Dadurch sinkt die Passivseite der Bilanz,

genau wie die Aktivseite der Bilanz, um € 2.000,-. Es findet daher

insgesamt eine Bilanzverkürzung statt.

Quelle

Monetative, Definition (VWL Prof. Bernd Senf)

Monetative, Definition:

Die Giralgeld‐Verwaltung soll aus den Händen der Geschäftsbanken genommen und in die Hand einer vom privaten Bankensystem und von privaten Anteilseignern unabhängigen staatlichen Zentralbank gelegt werden, und dies unabhängig auch von der Regierung. Deshalb der Begriff Monetative, im Vergleich zur Legislative, Exekutive und Judikative.

Mehr dazu:

Bernd Senf (vom 17.03.2012 überarbeitet am 19.03.2012)

Prof. Bernd Senf Bankgeheimnis Geldschöpfung -­ Monetative als Lösung? (3)

John Law (neuer Artikel, Kopie aus dem bisherigen mit neuen Hinweisen)

Papiergeld, Geldschoepfung aus dem Nichts, Giralgeld, Notenemission beim Staat, John Law

Lohn Law hatte – nebst der erfolglosen mit dem Papiergeld – auch sehr gute Ideen, auch in Richtung Monetative: Denn ein weiterer Aspekt seiner wirtschaftspolitischen Maßnahmen war der Versuch, sämtliche gewerblichen Monopole, die Notenemission und die Steuereintreibung aus privater Hand in staatliche Regie zu überführen.

[Allerdings aus ganz anderen Gründen als Prof. Bernd Senf: Durch die Notenemission in staatlicher Regie, so hoffte er, könne die öffentliche Hand ausreichend Gewinn machen und ihre Verbindlichkeiten ablösen.]

John Law war mit den führenden Wirtschaftspolitikern seiner Zeit einig, dass reichlicher und zügiger Geldumlauf für die Volkswirtschaft förderlich sei. Die inflationären Gefahren einer solchen Politik verlor man gerne aus den Augen. Law – als Sohn eines Geldverleihers – war sich dieser Gefahren wohl bewusst. Er konnte sich jedoch von 1719 an gegen einflussreiche Entscheidungsträger in Paris nicht mehr durchsetzen. Deren ungehemmte Ausweitung der Banknoten- und Aktienemission heizte die Spekulationsblase noch an, die in die Katastrophe führen sollte. Mehr

Free counters!

Prof. Bernd Senf Bankgeheimnis Geldschöpfung -­ Monetative als Lösung? (3) (Video)

Geld regiert die Welt. Ja, das ist bekannt, aber wie funktioniert das denn eigentlich genau mit des Kaisers immer neue Geld – Kleider?

Wie? Recht einfach, und deshalb für die Mehrheit bis anhin nicht so einfach durchschaubar, aber hier folgend dank VWL Prof. Bernd Senf recht weit schon auf den Punkt gebracht:

Die Entschleierung der Geldherrschaft und mögliche Lösungswege.

3. Vortrag der Veranstaltungsreihe mit Bernd Senf im Kompetenzzentrum für Lebensqualität in Berlin vom 30.11.2011 unter dem Titel:
Bankgeheimnis Geldschöpfung -­ Monetative als Lösung?

Sehr sehenswert (Zeit dazu nehmen (3 h 24 Minuten))

Kleiner Hinweis an alle jetzigen und ehemailgen Studenten der Oekonomie: Die Lehrbuch Theorie der Geldschoepfung ist inkorrekt!

1
Bernd  Senf
Bankgeheimnis Geldschöpfung
April 2009
Weltfinanzkrise wirft viele Fragen auf
Jahre lang war in den politischen Diskussionen immer wieder zu hören, zu lesen und zu
sehen (dass einem schon fast Hören und Sehen vergingen), die öffentlichen Kassen seien
leer. An allen Ecken und Enden fehlten die Mittel, um dringende öffentliche Aufgaben zu
erfüllen. Und nun auf einmal – seit Ausbruch der Weltfinanzkrise – überschlagen sich die
Meldungen über staatliche Rettungsschirme für angeschlagene Banken und über
Konjunkturpakete in Billionen‐Höhe (Dollar bzw. Euro). Eine Billion – das sind Millionen
mal Millionen! Entsprechende Programme wurden in kürzester Zeit unter
unglaublichem Zeitdruck und sonstigem Druck durch die Parlamente gepeitscht, und in
den USA wurden Blankoschecks an den Finanzminister ausgestellt ohne jede weitere
Kontrollmöglichkeit des Kongresses über die konkrete Verwendung der Mittel. Dem
voraus ging das Platzen riesiger Spekulationsblasen an den internationalen
Finanzmärkten, beginnend mit der Immobilienkrise in den USA. Es kam zu dramatischen
Kursverlusten, und vermeintliche Geldvermögen und Forderungen von Banken
gegenüber Schuldnern lösten sich in Luft auf bzw. wurden zu „finanziellem Giftmüll“, der
viel zu lange mit üblen Bilanzfälschungen verschleiert wurde, bis er schließlich immer
mehr zum Himmel stank – und der nun in so genannten „bad banks“ mit öffentlichen
Geldern entsorgt werden soll . Immer mehr Menschen beginnen sich zu fragen, wie das
alles zusammen hängt. Die tieferen Ursachen der Weltfinanzkrise und die
Fragwürdigkeit der Mittel zu ihrer Bekämpfung sind bisher allerdings viel zu wenig
aufgezeigt und diskutiert worden.
Im Gegensatz zu den meisten Wirtschafts‐ und Finanzexperten, Politikern und
Gewerkschaftlern, die von der Krise völlig überrascht wurden, kam sie für mich
überhaupt nicht unerwartet, im Gegenteil: Seit vielen Jahren habe ich auf die im
bestehenden Geldsystem verankerten problematischen Strukturen und auf not‐wendige
Veränderungen hingewiesen – wie schon auf dem Titelbild meines 1996 erschienen
Buches „Der Nebel um das Geld“ erkennbar wird. [Koinzidenz, der Schreiber dieses Blogs hatte 1995 in D eine Vortragsreihe zur Erklärung der Geldkreisläufe gestartet.]

Zu den wesentlichen Problempunkten gehören
• die Struktur und langfristig destruktive Dynamik des Zinssystems.
• die bestehende Art der Geldschöpfung aus dem Nichts
durch (zum Teil private) Zentralbanken und durch private Geschäftsbanken.
Zur Problematik des Zinssystems
Die Problematik des Zinssystems soll hier nur ganz kurz angedeutet werden. Der
scheinbar selbstverständliche Zins und Zinseszins lässt die Geldvermögen exponentiell,
das heißt in sich beschleunigendem Maße anwachsen. Bei 5 % Zinseszins kommt es
nach jeweils knapp 15 Jahren zu einer Verdoppelung. Nach ungefähr 15, 30, 45, 60, 75,
90, 105, 120, 135, 150 … Jahren wächst demnach 1 Euro auf 2, 4, 8, 16, 32, 64, 128, 256,
2
512, 1024 … Euro an. (Die genaue Zahl nach 150 Jahren liegt sogar bei 1.507 Euro.) Aus
einer Milliarde würden entsprechend 1,507 Billionen. So schön das aus der Sicht der
Geldanleger erscheinen mag, so problematisch ist dieses immer schneller werdende
Wachstum aus der Sicht der Schuldner – und aus gesamtwirtschaftlicher Sicht. Denn das
Anwachsen der Geldvermögen hat zur Grundlage (und treibt hervor) ein
entsprechendes Wachstum der Schulden irgend woanders im Gesamtsystem: bei
privaten Unternehmen, privaten Haushalten und beim Staat innerhalb eines Landes
oder im Ausland.

Die Schulden sind das Spiegelbild der Geldvermögen, und sie wachsen wie ein Tumor im menschlichen Körper. Der Zins wirkt demnach wie Krebs im sozialen Organismus. [!]
Exponentiell wachsende Zinslasten, die aus dem jährlichen Sozialprodukt aufgebracht
werden müssen, können von den Schuldnern im Durchschnitt immer weniger
erwirtschaftet werden, weil in einer Welt begrenzter Ressourcen und Absatzmärkte ein
exponentielles Wachstum der Realwirtschaft auf Dauer nicht möglich ist. Es muss sich
vielmehr – auch bei größten Anstrengungen – nach einigen Jahrzehnten abschwächen,
und die Durchschnittsrenditen in der Realwirtschaft werden sinken.
Weil die Geldvermögen trotzdem weiter wachsen wollen, suchen sie – vermittelt durch
Banken, Investmentfonds oder Hedgefonds – ihr Glück an den spekulativen
Finanzmärkten und treiben dort die Kurse immer mehr in die Höhe, mal an den
Aktienbörsen, mal an den Anleihemärkten, mal an den Rohstoff‐ oder Agrarmärkten,
mal an den Devisenmärkten und Hypothekenmärkten und mal bei den Finanzderivaten,
dem globalen „Wetten dass“ – wohin sie jeweils unter dem „monetären Stauungsdruck“
auf ihrer Suche nach maximaler Rendite rund um den Globus vagabundieren. Dies alles
wurde seit Anfang der 80er Jahre möglich, seitdem der Neoliberalismus und die
Fanatiker der Globalisierung begannen, alle traditionellen nationalen Beschränkungen
spekulativen Kapitalverkehrs nieder zu reißen und dies als Weg zum weltweit
wachsenden Wohlstand propagierten. Die spekulativ in die Höhe getriebenen Kurse
entfernten sich auf diese Weise immer weiter von den realwirtschaftlichen Grundlagen
und erzeugten die Spekulationsblasen. In völliger Verkennung des Gefahrenpotenzials
wurden Jahre lang die Kurssteigerungen an den Börsen gefeiert, und wachsende Teile
der Bevölkerung ließen sich in das Börsenfieber hinein ziehen, bis zum bösen Erwachen,
als die Blasen mehr und mehr platzten – zunächst an der Peripherie des globalen
Kapitalismus, dann zunehmend auch in den Metropolen.

Wo kamen die Unsummen von Geldern her, mit denen die Spekulationsblasen
aufgepumpt wurden, wer hat sie wie geschöpft und in Umlauf gebracht? Und wo sind die
Quellen für die ganzen Rettungsschirme und Konjunkturpakete in Billionen‐Höhe?
Schon vor Jahren (2004) habe ich in meinem Buch „Der Tanz um den Gewinn“ über
„Börsenfieber und kollektiver Wahn“ geschrieben – und über die im bestehenden
Geldsystem angelegte Tendenz zum Super‐Gau des Weltfinanzsystems. Der Art und
Weise der Geldschöpfung kommt in diesem Zusammenhang eine wesentliche Bedeutung
als Krisenursache bzw. als verstärkender Faktor zu. Um so erstaunlicher ist es, dass die
Geldschöpfung durch Jahrhunderte hindurch und bis heute eines der best gehüteten
Bankgeheimnisse war und ist – und eines der folgenschwersten. Im Folgenden soll grob
skizziert werden, wie und woraus sich die Geldschöpfung entwickelt hat und auf welche
Weisen sie immer wieder verschleiert wurde.
3
Vom Goldgeld zum Papiergeld
Als das Geld noch aus vollwertigen Goldmünzen bestand, schien es seinen Wert aus dem
jeweiligen Wert des Edelmetalls plus Prägekosten zu beziehen. Dabei schienen der
Arbeitsaufwand oder die Förderkosten einerseits und die Knappheit andererseits eine
wesentliche Rolle zu spielen. Es gab auch eine Theorie des Goldautomatismus, die zu
dem Ergebnis kam, dass die als Geld in Umlauf befindliche Goldmenge sich automatisch
immer wieder der Entwicklung des Sozialprodukts anpasst und dadurch sowohl eine
größere Inflation als auch eine größere Deflation vermieden würden. Allerdings beruhte
diese Theorie auf Annahmen, die mit der Realität immer weniger überein stimmten
(zum Beispiel die unterstellte Flexibilität der Preise und Löhne nach oben und unten
sowie die unbegrenzte Reproduzierbarkeit von Gold). Gleichwohl wurde an diesem
Goldmythos lange, viel zu lange festgehalten. Es bedurfte erst starker
weltwirtschaftlicher Erschütterungen nach 1929, um sich von diesem Mythos zu
verabschieden. Das zu lange Festhalten an der internationalen Goldkernwährung und
ihren Spielregeln war nicht zuletzt ein Verstärker in der Übertragung der
amerikanischen Wirtschaftskrise auf Europa, das in Folge der Goldabflüsse seine
nationalen Geldmengen jeweils um das Dreifache der Goldabflüsse reduzieren musste –
und dadurch den Geldfluss völlig abwürgte und die Wirtschaft in die Deflation trieb. (Um
so erstaunlicher ist es, dass der Goldmythos in letzter Zeit eine gewisse Renaissance
erlebt.)
Was in der Theorie unter anderem übersehen wurde, war die Tatsache, dass die
Goldmenge aufgrund der besonderen Knappheit des Goldes mit dem Wachstum des
Sozialprodukts im sich stürmisch entfaltenden Industriekapitalismus des 19. und
Anfang des 20. Jahrhunderts gar nicht mithalten konnte und insofern der „Goldmantel“
für das heran wachsende Sozialprodukt zunehmend zu eng wurde – wie der Mantel aus
der Kindheit für einen heran wachsenden Menschen zu eng wird. Wenn der Stoff des
Kindermantels schließlich nur noch ausreicht, um 1/3 des Körpers des Erwachsenen zu
bedecken, müsste ein Ersatzstoff her, der die Blößen hinreichend abdeckt. Ähnlich beim
Goldmantel, der zunehmend durch einen Papiergeldmantel ergänzt und schließlich ganz
durch ihn ersetzt wurde, um das wachsende Sozialprodukt abzudecken und so eine
ausreichend mit wachsende Nachfrage nach Sozialprodukt zu ermöglichen.

Die Ursprünge der Geldschöpfung
Der Übergang von der Goldmünzwährung zur Papiergeldwährung – mit anfangs voller,
später nur noch teilweiser Golddeckung bis hin zur vollständigen Loslösung vom Gold –
ist es wert, näher betrachtet zu werden. Denn hier liegen die historischen Anfänge der
Geldschöpfung aus dem Nichts – und des Bankgeheimnisses um eben diese
Geldschöpfung. Begonnen hat das alles vor einigen hundert Jahren damit, dass die
Händler ihre Goldmünzen zur Sicherheit bei den Goldschmieden deponierten, die schon
von Berufs wegen Erfahrungen in der sicheren Aufbewahrung ihres wertvollen
Arbeitsmaterials Gold hatten und über entsprechende Tresore verfügten. Die Händler
bekamen für die Deponierung ihres Goldes eine möglichst fälschungssichere Quittung
aus Papier – verbunden mit dem Recht auf jederzeitige Einlösung dieser Quittung in
Gold (Goldeinlösegarantie).
Aus diesen Anfängen entwickelten sich später Banken, und die Quittungen wurden zu
Banknoten, die nicht personengebunden waren, sondern an Dritte, Vierte usw. weiter
4
gereicht werden konnten, also übertragbar waren. Wenn Händler A seinen Lieferanten B
im Wert von 100 bezahlen wollte, konnte er die 100er‐Banknote in Gold einlösen, dem B
das Gold übergeben, und B brachte es zur Sicherheit wieder zur (gleichen) Bank und
bekam seinerseits eine entsprechende 100er‐Banknote. Einfacher war es jedoch, wenn
A dem B gleich seine 100er‐Banknote weiter reichte und B darauf vertraute, dass sich
diese Banknote jederzeit in Gold einlösen ließ. Das Gold blieb dabei also bei der Bank,
und die Banknote wanderte von Hand zu Hand und erfüllte die Funktion eines
Zahlungsmittels.
Je mehr sich das Vertrauen in die Goldeinlösegarantie der Bank festigte, um so weniger
wurde von der Goldeinlösegarantie Gebrauch gemacht und um so mehr
Zahlungsvorgänge wurden über die Weitergabe der Banknoten abgewickelt. Für den
Fall, dass im Normalbetrieb maximal 1/3 der Banknoten noch in Gold eingelöst wurden,
hatte die Bank noch 2/3 des Goldes übrig, eine Überschussreserve in Gold, das ihr
eigentlich gar nicht gehörte, sondern das sie nur zur Sicherung eingelagert hatte.
Dennoch wurde die Versuchung groß, diese 2/3 Gold anderweitig zu verwenden und
daraus ein Geschäft zu machen. Eine Möglichkeit wäre gewesen, sie an andere als Kredit
auszuleihen, verbunden mit der Forderung nach Zinsen, Tilgung und dinglicher
Sicherung des Kredits. Das wäre übrigens gerade so, als würde ein an der Garderobe der
Philharmonie abgegebener Mantel während des Konzerts an Dritte gegen Leihgebühr
ausgeliehen werden, die von der Garderobe eingesteckt wird. Korrekt scheint das nicht
zu sein. Und vor allem: Was ist, wenn der Konzertbesucher unerwartet schon in der
Pause seinen Mantel abholen will – und der Mantel gar nicht da ist? In diesem Moment
würde der Schwindel auffliegen.
Die Banken wurden aber noch einfallsreicher: Anstatt die Gold‐Überschussreserve
weiter auszuleihen, wurde diese als Grundlage für die Schöpfung weiterer Banknoten
aus dem Nichts verwendet. Auf den 2/3 Goldreserven konnten zwei weitere 100er‐
Banknoten gedruckt und in Umlauf gebracht werden – unter der Annahme, dass auch
von ihnen nur maximal jeweils 1/3 in Gold eingefordert würde. Aus Gold im Wert von
100 wurden auf diese Weise insgesamt 3 x 100er‐Banknoten, von denen die zwei neu
geschöpften Banknoten als Kredit (mit Zinsen, Tilgung und Sicherung) in Umlauf
gebracht wurden. Das aus dem Nichts geschöpfte Geld (in Höhe von 200), das genauso
aussah wie die erste (anfangs noch voll durch Gold gedeckte) 100er‐Banknote,
verwandelte sich in eine Forderung der Bank gegenüber den Kreditnehmern, die
erbarmungslos eingetrieben wurde, und sei es auch – bei Zahlungsunfähigkeit des
Schuldners – durch Zwangsvollstreckung von dessen beliehenem Eigentum.
Die Verschleierung der Papiergeldschöpfung aus dem Nichts
Während die erste Banknote noch eine Forderung des Inhabers gegenüber der Bank auf
Goldeinlösung beinhaltete, haben sich die zwei aus dem Nichts geschöpften 100er‐
Banknoten zusätzlich in Forderungen der Bank gegenüber den Schuldnern verwandelt.
Die Bank hat dadurch sozusagen den Spieß umgedreht. Obwohl also die zweite und
dritte 100er‐Banknote einen völlig anderen Ursprung und Charakter hatten als die erste,
sahen alle drei Banknoten gleich aus. Hierin lag bereits eine Täuschung. Die aus dem
Nichts geschöpften Banknoten erzeugten nur den falschen Schein eines durch Gold
gedeckten Geldes. Heißt der Geldschein seitdem vielleicht deswegen „Geld‐Schein“?
5
Aus der Sicht der Banken war diese Konstruktion geradezu genial. Ebenso genial war es,
diese Form der Geldschöpfung aus dem Nichts – und des In‐Umlauf‐Bringens als Kredit
gegen Zinsen, Tilgung und Sicherung – geheim zu halten und darauf hinzuwirken, dass
sie nicht durch irgend welche Gesetze des Staates unterbunden wurde. Einen Teil der
Verschleierung besorgte die begriffliche Verklausulierung des Sachverhalts und die
Entwicklung einer Fachsprache, die vom normalen Bürger und auch von den meisten
Politikern nicht verstanden wurde. Schließlich wurden derartige Bankgeschäfte so
selbstverständlich, dass kaum noch jemand danach fragte, wie sie funktionieren und ob
sie überhaupt vertretbar sind. An diesem Tatbestand hat sich im Prinzip bis heute wenig
geändert.
Geldschöpfung und Wirtschaftswachstum – Hans Christoph Binswanger
Volkswirtschaftlich bedeutsam ist die Tatsache, dass sich mit dem Übergang von der
vollen Golddeckung zur nur noch teilweisen Golddeckung des Papiergeldes der
Geldmantel vergrößerte, und zwar weit mehr, als es im Rahmen der vollen Golddeckung
möglich gewesen wäre. Das gab von der monetären Seite her Raum für eine stärkere
Entfaltung der industriellen Produktion und für das Wecken von bis dahin noch
schlummerndem Produktionspotenzial. Die Geldschöpfung hat insofern nicht nur ein
stärkeres Wachstum der Wirtschaft ermöglicht, sondern dieses sogar aktiv mit hervor
getrieben. Denn zur Finanzierung von Neu‐Investitionen waren die Unternehmen und
auch der Staat nicht mehr auf entsprechende Spargelder angewiesen, die von den
Banken gesammelt und als Kredite weiter geleitet wurden. Volkswirtschaftliches
Sparen war nicht mehr allein die Voraussetzung für Investitionen und
Wirtschaftswachstum, sondern das aus dem Nichts geschöpfte und als Kredit in Umlauf
gebrachte („emittierte“) Geld schaffte in den Händen der Kreditnehmer zusätzliche
Nachfrage und mobilisierte auf diese Weise ein Produktionspotenzial, das ohne die
Geldschöpfung brach gelegen hätte. Erst wenn die Geldschöpfung das Maß des
Produktionspotenzials übersteigt, entsteht die Gefahr einer Inflation.
Insofern könnte man dem Bankensystem das Verdienst zusprechen, dass es mit der
Geldschöpfung zur Entfesselung der Produktivkräfte wesentlich beigetragen und sie in
diesem Ausmaß erst ermöglicht hat. So wurde es auch oft würdigend dargestellt: Das
Bankensystem habe die zum Wachstum erforderliche „Liquidität“ bereit gestellt. Aber
wie und mit welchen Konsequenzen, was den Einfluss und die Macht der Banken
anlangt, wurde kaum jemals hinterfragt. Und schon gar nicht, ob es dazu vielleicht
Alternativen geben könnte, die weniger problembehaftet sind. Hans Christoph
Binswanger ist einer der wenigen Ökonomen, die den Zusammenhang zwischen
Geldschöpfung und Wirtschaftswachstum kritisch aufgezeigt haben.
Bei aller Würdigung der Rolle der Banken bleibt etwas höchst Fragwürdiges an dieser
Form der Geldschöpfung – und an dem Geheimnis, das um sie aufgebaut und
Jahrhunderte lang gehütet wurde. Nichts rechtfertigt die Tatsache, dass mit aus dem
Nichts geschöpftem Geld Forderungen gegenüber Schuldnern – verbunden mit Zins,
Tilgung und Sicherung – begründet und erbarmungslos eingetrieben werden. Entgegen
allem vordergründigen Anschein, dass auf diese Weise eine Wert‐Schöpfung durch das
Bankensystem stattgefunden habe, handelt es sich vielmehr um die Schaffung von
Rechtstiteln (also rechtlich einklagbaren Ansprüchen) zur Wert‐Abschöpfung, das heißt
von Werten, die in anderen Teilen der Volkswirtschaft oder Weltwirtschaft – zum
Beispiel in Form von realen Gütern und Dienstleistungen – geschaffen wurden. Über die
6
Geldschöpfung ist das Bankensystem in eine Rolle hinein gewachsen, die weit über die
bloße Durchleitung von Spargeldern zu Kreditzwecken hinaus geht. Und kaum jemand
hat es bemerkt, nicht einmal die meisten Ökonomen der letzten 250 Jahre.
Geldschöpfung – ein blinder Fleck in vielen Wirtschaftstheorien
In der klassischen Wirtschaftstheorie von Adam Smith – und selbst noch in der
Mehrwerttheorie von Karl Marx – wird die Rolle des Geldes so behandelt, als sei es eine
Goldmünzwährung oder allenfalls ein Papiergeld mit voller Golddeckung. Investitionen
schienen demnach nur möglich auf der Grundlage voran gegangenen
volkswirtschaftlichen Sparens und des Anhäufens von Geldvermögen (bei Marx
„Kapitalakkumulation“). Und dies, obwohl schon zu Smith´s Zeiten längst die
Papiergeldschöpfung aus dem Nichts in großem Maßstab existierte. In England gab es
sogar schon seit 1694 die Bank von England, eine Zentralbank mit Papiergeldschöpfung,
die eine höchst fragwürdige Rolle in der Geschichte des Geldes und des britischen
Kolonialismus gespielt hat. Auch ihre Rolle wurde von kaum einem der großen
Ökonomen kritisch hinterfragt, und wenn doch (wie bei David Ricardo Anfang des 19.
Jahrhunderts), dann wurde alsbald darüber geschwiegen. Um die Bank von England,
ihre Art der Geldschöpfung und ihre Anteilseigner wurde ein Bankgeheimnis aufgebaut
– wie übrigens um viele der später gegründeten Zentralbanken oder „Nationalbanken“.
Gründung und Tarnung der Bank von England als einer privaten Zentralbank
Entgegen dem äußeren Schein war die Bank von England als eine Privatbank von
William Patterson gegründet worden und bekam vom englischen König Wilhelm III. von
Oranien das Privileg zum Drucken und zur Ausgabe des allgemeinen gesetzlichen
Zahlungsmittels erteilt. Auf der Grundlage von Goldreserven, die über die Emission von
Aktien der Bank von England zugeflossen waren, wurde ein Vielfaches an Papiergeld
geschöpft und als verzinste Kredite in Umlauf gebracht. Auf diese Weise flossen auch
dem Staatshaushalt des Königs neue Gelder zu, der sich in dramatischer Geldnot
befunden und deshalb dem Plan von Patterson zugestimmt hatte. Das Absurde daran ist,
dass der König – und später allgemein der Staat – sich gegenüber einer privaten
Zentralbank mit zinsbelastetem Geld verschulden musste und in Abhängigkeit von der
Bank von England geriet, der er vorher das Privileg der Geldschöpfung übertragen hatte.
Eine zusätzliche Absurdität bestand darin, dass unter diesen Bedingungen zusätzliches
Geld nur auf dem Weg über Kredit und Schuld – unter anderem durch wachsende
Staatsverschuldung – in den Wirtschaftskreislauf gelangte. Eine Rückzahlung der
Staatsschuld ist in einem solchen Kreditgeldsystem prinzipiell gar nicht möglich, weil
dadurch die Geldmenge in gleichem Maße reduziert und ein Geldmangel im
Wirtschaftskreislauf ausgelöst würde, der die Wirtschaft in eine Deflation treiben
würde. Eine derart einflussreiche Zentralbank (im wahren und übertragenen Sinn des
Wortes) kann auch die Politik wesentlich beeinflussen, indem sie darüber entscheidet,
für welche Zwecke dem Staat Kredite bereit gestellt werden und für welche nicht. Zur
Bedienung der Staatsschuld muss der Staat in Form von Steuererhöhungen und/oder
Ausgabenkürzungen auf seine Bürger zurück greifen. Heißen die Staatsbürger deswegen
„Staatsbürger“, weil sie letztendlich für die Staatsschuld bürgen?
Der Charakter der Bank von England als einer privaten Zentralbank wurde übrigens
ebenfalls zum Bankgeheimnis. Denn auf ihren Banknoten erschienen das Porträt des
7
Königs und seine Unterschrift, wodurch der Eindruck erweckt wurde, es handele sich
um eine staatliche Zentralbank und um ein staatliches Geld. Auch der Gesetzentwurf zur
Gründung der Bank von England wurde unter strengster Geheimhaltung durch das
Parlament gebracht, versteckt wie eine Stecknadel im Heuhaufen in einem umfänglichen
Gesetzentwurf über die Regelung der Schiffstonnage – irgendwo in einem
Unterabschnitt eines Paragrafen unter „ferner liefen“ – sozusagen im Kleingedruckten.
Noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts blieben die Anfragen einzelner kritischer
Parlamentsabgeordneter nach den Anteilseignern der Bank von England vom
Schatzkanzler unbeantwortet. Offizielle Informationen darüber existieren wohl bis
heute nicht. Formal wurde die Bank von England erst 1948 verstaatlicht. Einer der
größten und einflussreichsten Geldschöpfer der Geldgeschichte konnte seine Geschäfte
Jahrhunderte lang im Dunkeln verrichten, und das selbst dann noch, als Großbritannien
schon längst eine Demokratie geworden war.
Die Geldschöpfung in Goethes Faust II
Während diese Problematik von kaum einem Ökonomen – und auch sonst kaum –
thematisiert wurde, hat sie wenigstens ein bedeutender Dichter aufgezeigt: Johann
Wolfgang von Goethe in seinem Werk „Faust II“. Darin geht der Plan zur
Papiergeldschöpfung durch eine Zentralbank auf Mephisto zurück, der den Doktor Faust
dazu überredet, den Kaiser von diesem Plan zu überzeugen. Im Gespräch mit seinem
Kanzler äußert der Kaiser zunächst noch erheblich Zweifel, ob das alles mit rechten
Dingen zu gehe oder ob es nicht Betrug sei, lässt sich dann aber doch eines Besseren
(oder Schlechteren) belehren. Durchblicken tut der Kaiser jedenfalls nicht. Kaum ein
Theaterbesucher oder Literaturkenner ist sich der Bedeutung und Brisanz dieser Szenen
bewusst. Ich selbst bin erst durch das Buch von Hans Christoph Binswanger „Geld und
Magie“ darauf aufmerksam geworden. Dass die Bank von England Jahrhunderte lang
eine getarnte private Zentralbank war und dass darin noch eine besondere Problematik
liegt, wird allerdings weder von Goethe noch von Binswanger thematisiert.
Nobelpreisträger Frederick Soddy als Kritiker des Geldsystems
Es gab noch eine weitere prominente Person, die an dem Bankgeheimnis Geldschöpfung
und an der kollektiv verdrängten Zinsproblematik gerüttelt hat: Frederick Soddy,
Nobelpreisträger in Chemie in den 20er Jahren mit seinem Buch „Wealth, Virtual Wealth
and Debt“ (Wohlstand, virtueller Wohlstand und Schulden). Er ging sogar so weit, dass
er eine Art Verfassungsklage beim obersten Gericht in Großbritannien auf
Verfassungsfeindlichkeit des bestehenden Geldsystems einreichte. Diese Klage wurde
jedoch schon im Vorfeld zurück gewiesen, bevor es zur eigentlichen Verhandlung kam.
Während Frederick Soddy als Nobelpreisträger eine sozial hoch geschätzte Person war,
wurden seine brillanten Veröffentlichungen zum Geldsystem und zur Geldschöpfung fast
völlig ignoriert, und er selbst geriet mehr und mehr in die soziale Isolierung. Sein Urteil
über die Wirtschaftswissenschaft war schließlich derart, dass es sich dabei wohl gar
nicht um eine Wissenschaft handele, sondern um ein dogmatisches Glaubenssystem, das
sich gegen grundlegende Kritik völlig abgeschottet habe.
Warum hat eigentlich bislang keiner der Kritiker des Zinssystems und/oder der
Geldschöpfung einen Nobelpreis für Ökonomie bekommen, den es immerhin schon seit
einigen Jahrzehnten gibt? In diesem Zusammenhang ist vielleicht nicht ganz
uninteressant zu erwähnen, dass dieser „Nobelpreis“ – im Unterschied zu den anderen
8
Nobelpreisen – nicht etwa von der Alfred‐Nobel‐Stiftung gestiftet wird, sondern von der
Schwedischen Nationalbank, die historisch schon einige Jahre vor der Bank von England
ebenfalls als private Zentralbank gegründet worden war. Die von ihr emittierten
Banknoten erweckten sogar noch durch ihren Namen (schwedische „Krone“) den
falschen Eindruck, es handele sich um eine königliche oder staatliche Zentralbank und
um staatliches Geld. Dass von einem solchen Sponsor nicht unbedingt Ökonomen geehrt
werden, die das Bankgeheimnis Geldschöpfung oder die Problematik des Zinssystems
aufdecken, liegt schon fast auf der Hand. Die ersten wirtschaftswissenschaftlichen
Fakultäten in England sollen übrigens auch von privaten Banken finanziert worden sein.
Natürlich hatte das auf die Inhalte dessen, was gelehrt und was nicht gelehrt wurde,
keinerlei Einfluss.
Gründung und Tarnung der Fed durch ein privates Bankenkartell
Dass die im 20. Jahrhundert und bis heute einflussreichste Zentralbank der Welt, die
US‐amerikanische Notenbank Federal Reserve System (Fed) 1913 von einem privaten
Bankenkartell gegründet wurde, ist auch den Wenigsten bekannt. Schon ihr Name
erweckt den falschen Eindruck, es handele sich um eine bundesstaatliche Institution
(federal heißt übersetzt: föderal oder bundesstaatlich). Es existiert inzwischen eine
größere Zahl von gut recherchierten Veröffentlichungen über die Entstehungsgeschichte
der Fed und über ihre Rolle bis in die Gegenwart (zum Beispiel Stephen Zarlenga, G.
Edward Griffin, Ellen Hodgson Brown), die allerdings bislang von der
Wirtschaftswissenschaft, der Politik und den Medien nicht zur Kenntnis genommen
wurden.
Wer sich mit diesen Zusammenhängen beschäftigt und sich öffentlich dazu äußert, muss
immer noch damit rechnen, als „Verschwörungstheoretiker“ diffamiert zu werden – was
durch die abschreckenden Assoziationen mit dazu beitragen kann, das betreffende
Thema zu meiden. Ob es sich bei einzelnen Veröffentlichungen lediglich um aus der Luft
gegriffene Theorien ohne Realitätsbezug handelt oder um die Dokumentation realer
Ereignisse, kann schließlich erst nach gründlicher Prüfung der entsprechenden Literatur
und ihrer Quellen beurteilt werden – und nicht vorher und ohne Prüfung. Die weit
verbreitete reflexartige Abstempelung bestimmter Sichtweisen als
„Verschwörungstheorie“ ist zutiefst unwissenschaftlich und vorurteilsgeprägt. Es
könnte sich ja schließlich auch um reale Verschwörungen handeln, deren Aufdeckung
von großer gesellschaftlicher Bedeutung sein kann.
Um auf die Entstehungsgeschichte der Fed zurück zu kommen: Allein schon die
Vorbereitung des Gesetzentwurfs durch führende Vertreter großer Banken auf einem
geheimen Treffen auf Jekyll Island sollte stutzig machen: Gegenüber neugierigen
Journalisten wurde behauptet, es handele sich um eine Entenjagd, und die Teilnehmer
waren als Entenjäger verkleidet. Auch der Tag der Beschlussfassung im amerikanischen
Kongress ist bemerkenswert: der 23. Dezember 1913 – zwei Tage vor Weihnachten, wo
selbst die körperlich anwesenden Angeordneten in Gedanken schon in den
Weihnachtsferien waren. Darüber hinaus hat es manche Täuschungsmanöver von Seiten
der Initiatoren dieses Entwurfs gegeben, um die Abgeordneten zur Zustimmung zu
bewegen. Entgegen der amerikanischen Verfassung hat der Kongress mit dem Federal
Reserve Act die ihm zugewiesene Kompetenz zur Geldversorgung der amerikanischen
Wirtschaft aus der Hand gegeben, wovor einige frühere amerikanische Präsidenten
eindringlich gewarnt hatten. Ungeachtet all dessen wird in der Öffentlichkeit auch bei
9
uns immer wieder der Eindruck erweckt, als sei die Fed eine staatliche Institution.
Richtig ist, dass sie gewissen staatlichen Einflussmöglichkeiten unterliegt, ihre
Anteilseigner sind aber im wesentlichen nach wie vor private Großbanken bzw. Teile
der Finanzoligarchie.
Die fragwürdige Rolle der Fed
Durch die Übertragung des Geldschöpfungsprivilegs auf die Fed geriet der
amerikanische Staat in zunehmende Abhängigkeit von eben diesem System der
Kreditgeldschöpfung aus dem Nichts – und musste sich seitdem in zunehmendem Maße
mit einem Geld verschulden, für das er die jährlich wachsenden Zinslasten aufbringen
musste. Nicht von ungefähr wurde ziemlich zur gleichen Zeit, wie die Fed gegründet
wurde, auch die amerikanische Einkommensteuer eingeführt, um einen wirksamen
Rückgriff des Staates auf die Steuer zahlenden Staatsbürger zur Bedienung der
Staatsschulden zu ermöglichen – wobei ein entsprechendes Gesetz in den USA niemals
verabschiedet worden sein soll und dennoch seit fast einem Jahrhundert ohne
gesetzliche Grundlage Einkommensteuern eingezogen werden).
In das Regime der Fed fallen übrigens die dem Börsencrash von New York 1929 voraus
gehenden Spekulationsblasen ebenso wie das Füttern der Spekulationsblasen durch
immer mehr Geldschöpfung – beginnend in den 90er Jahren unter Alan Greenspan als
Chef der Fed und sich fortsetzend unter seinem Nachfolger Ben Bernanke. Unter ihr
Regime fällt auch die Entscheidung von 2005, die Entwicklung der Geldmenge nicht
mehr zu veröffentlichen, so dass man seither in dieser Hinsicht auf indirekte
Schätzungen angewiesen ist. In ihre Verantwortung fallen auch die Billionen Dollar
schweren Rettungsschirme für die wegen Überspekulation in die roten Zahlen
geratenen Geschäftsbanken und Versicherungen, finanziert mit aus dem Nichts
geschöpften Dollar, die die Staatsverschuldung abermals dramatisch in Schwindel
erregende Höhen haben ansteigen lassen. „Gedeckt“ scheinen die zusätzlich geschöpften
Dollar durch den Aufkauf von immer mehr amerikanischen Staatsanleihen durch die
Fed, auf die der Staat immer mehr Zinsen zahlen muss und in der Wahrnehmung seiner
öffentlichen Aufgaben immer handlungsunfähiger wird – eine Absurdität
sondergleichen.
Ben Bernanke wurde übrigens schon vor seiner Ernennung zum neuen Chef der Fed
„Hubschrauber‐Bernanke“ genannt, weil er scheinbar beruhigend darauf hingewiesen
hatte, dass die Fed im Ernstfall praktisch unbegrenzt „Liquidität zur Verfügung stellen
kann“, das heißt die Wirtschaft mit neu gedrucktem (oder als Computerzahlen
eingetipptem) Geld überfluten kann, zur Not auch durch Abwurf von Banknoten aus
Hubschraubern. (Dann würde das Geld wenigstens in die Hände der breiten
Bevölkerung gelangen.) Die Geldschöpfung der Fed ist inzwischen allerdings noch viel
makabrer, indem die aus dem Nichts geschöpften Billionen dazu ver(sch)wendet
werden, die riesigen Bankverluste aus verantwortungslosen Spekulationsgeschäften
auszugleichen. Die breite Bevölkerung wird stattdessen mit Steuererhöhungen,
Sozialausgabenkürzungen, wachsender Arbeitslosigkeit und Inflation ihre Opfer bringen
müssen.
10
Monetative – Geldschöpfung in öffentliche Hand !
Für die not‐wendige Neugestaltung des Geldsystems ergibt sich für mich aus dem oben
Abgeleiteten eine erste wesentliche Forderung: Zentralbanken sollten staatliche
Institutionen sein, unabhängig vom privaten Bankensektor, von privaten Anteilseignern
und unabhängig von der Regierung – als vierte Säule der staatlichen Gewaltenteilung.
Neben der Exekutive, der Legislative und der Judikative braucht es eine „Monetative“ –
eine öffentliche Institution mit dem Privileg der Geldschöpfung des allgemeinen
gesetzlichen Zahlungsmittels. Sie sollte dem Staat in wohl dosiertem Maße Geld ohne
Zinsen und Tilgung für die Erfüllung dringender öffentlicher Aufgaben zur Verfügung
stellen. Sie sollte darüber hinaus die Geldmenge im Interesse des Gemeinwohls so
steuern, dass es weder zu Inflation noch zu Deflation kommt, sondern der Preisindex
stabil bleibt („Index‐Währung“). In der amerikanischen Geldgeschichte hat es
eindrucksvolle Beispiele dafür gegeben, dass so etwas möglich ist, und sie waren sehr
erfolgreich – bis sie durch den Einfluss der britischen Kolonialmacht oder des privaten
Bankensystems unterwandert und gekippt wurden.
Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken – Mythos oder Realität?
Durch die Gründung einer Zentralbank und deren Emission eines gesetzlichen
Zahlungsmittels traten die Banknoten der Geschäftsbanken in den Hintergrund. Ihre
Forderungen gegenüber Schuldnern wurden nun bei der Zentralbank eingereicht und
gegen Zentralbankgeld eingetauscht, das an die Kreditnehmer weiter geleitet wurde.
Nachdem also das Privileg der Geldschöpfung auf die Zentralbank übergegangen war,
haben sich die privaten Geschäftsbanken – lange Zeit unbemerkt von der Öffentlichkeit,
der Wirtschaftswissenschaft und der Politik – eine neue Möglichkeit der Geldschöpfung
aus dem Nichts erschlossen: die Giralgeldschöpfung, die seit langem den größten Teil
der Geldmenge M1 (Bargeld + Sichtguthaben) ausmacht.
Mitte des 20. Jahrhunderts hat die Volkswirtschaftslehre dieser Veränderung im
Bankgeschäft mit der Theorie der multiplen Kreditschöpfung zwar Rechnung getragen,
aber diese Theorie lenkt – wie noch zu zeigen sein wird – in scheinbarer
mathematischer Exaktheit den Blick von der wesentlichen Problematik der
Giralgeldschöpfung ab. Sie deckt das Bankgeheimnis Geldschöpfung nicht wirklich auf,
sondern führt eher in die Irre. Es hat mich selbst viele Jahre gebraucht, um mich aus
diesen (und anderen) Verwirrungen meines VWL‐Studiums nach und nach heraus zu
winden und einen realitätsnäheren Blick zu entwickeln. Aber selbst in
freiwirtschaftlichen Kreisen, die in Anlehnung an Silvio Gesell das Zinssystem und das
private Bodeneigentum kritisieren, gab es noch vor wenigen Jahren heftige
Kontroversen darüber, ob es nun eine Giralgeldschöpfung gibt oder ob diese nur ein
Mythos sei. Nach gründlicher Abwägung vieler Argumente für und wider bin ich zu dem
Ergebnis gekommen:
… und es gibt sie doch – die Giralgeldschöfung der Geschäftsbanken,
nur anders und viel problematischer als in der VWLLehrbuchtheorie.
Im Folgenden möchte ich meine Sichtweise zur Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken
grob skizzieren. (Ausführlich habe ich diese Zusammenhänge in meinem Buch „Der Tanz
um den Gewinn“ im Kapitel „Kontroversen um das Geld“ abgeleitet. Die Kritik an der
11
VWL‐Lehrbuchtheorie der multiplen Kreditschöpfung findet sich in meinem Buch „Der
Nebel um das Geld“ auf den Seiten 158 – 166.)
Vom Bargeld zum Giralgeld
Das Verhältnis von (Zentralbank‐)Bargeld zum Giralgeld der Geschäftsbanken ist sehr
ähnlich dem Verhältnis von Goldmünzen zu Banknoten. Ein Beispiel soll wieder zur
Veranschaulichung dienen: Werden 100 Euro Bargeld vom Bankkunden A zur
Geschäftsbank GB‐1 gebracht und auf ein Girokonto eingezahlt, entsteht auf diesem
Konto ein Guthaben in gleicher Höhe. Weil der Bankkunde über dieses Guthaben
vereinbarungsgemäß jederzeit verfügen kann, das Geld also auf kurze Sicht zum Beispiel
in bar abheben oder unbar auf andere Konten überweisen lassen kann – und weil das
Guthaben durch Einzahlung oder Einlage entstanden ist, spricht man von „Sichteinlage“
– im Unterschied zu Termineinlagen und Spareinlagen, die längeren Bindungsfristen
unterliegen. Die erste Sichteinlage ist noch vollständig durch Bargeld gedeckt.
Wenn nun Bankkunde A an den Bankkunden B bei der gleichen Bank 100 Euro zahlen
will, könnte er diesen Betrag von seinem Girokonto abheben, dem B in bar aushändigen,
und B könnte ihn wieder bei der gleichen Bank auf sein Girokonto einzahlen und dafür
ein Sichtguthaben von 100 Euro bekommen. Dieser Vorgang ist allerdings viel
umständlicher , als wenn A den Betrag von der Bank direkt auf das Konto des B
überweisen lässt – ohne eine dazwischen geschaltete Barabhebung durch A und
Bareinzahlung durch B. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass B die Überweisung als
Bezahlung akzeptiert. Er wird dies tun, wenn er darauf vertraut, dass er dieses
Sichtguthaben jederzeit in bar abheben oder per Überweisung oder Scheckkarte
darüber verfügen kann. Für die Durchführung der bankinternen Überweisung braucht
die Bank kein Bargeld zu bewegen, sondern lediglich eine Umbuchung vorzunehmen:
vom Konto des A den Betrag abbuchen und dem Konto des B zubuchen oder
gutschreiben. Früher wurde das tatsächlich in den Büchern der Banken verbucht (daher
auch der Ausdruck „Buchgeld“, was das gleiche bedeutet wie „Giralgeld“).
Angenommen, die bargeldlosen Zahlungen haben sich so weit durchgesetzt, dass nur
noch maximal 1/3 der Sichtguthaben in bar von den Girokonten abgehoben werden.
Dafür muss die Bank Vorsorge treffen und eine entsprechende Barreserve halten, um
der vereinbarten Bargeld‐Einlösegarantie gerecht zu werden. 2/3 er anfänglich von A
eingezahlten 100 Euro bleiben demnach als Überschussreserve übrig. Eigentlich
gehören sie anfangs dem A, und nach der Überweisung auf das Konto des B sollten sie
dem B gehören. Eigentlich müssten sie auch zu 100 % in der Kasse oder im Tresor der
Bank in bar gehalten werden. Dann wäre es eine 100%‐Deckung oder eine Volldeckung
des Giralgeldes durch Bargeld.
Grundlagen der Giralgeldschöpfung aus dem Nichts
Die Geschäftsbank könnte aber auch auf die Idee kommen, die 2/3 Überschussreserve
anderweitig zu verwenden – in dem Vertrauen darauf, dass sie nicht durch
Barabhebungen angetastet werden und insofern nur ungenutzt lagern würden. Sie
könnte diese 66,66 Euro zum Beispiel in bar als Kredit an Dritte verleihen – gegen
Zinsen, Tilgung und Sicherung – und sich damit ein Zubrot „verdienen“. Oder noch
besser: Sie verwendet die 2/3 als Grundlage für die Schöpfung von 2 x 100 Euro aus dem
Nichts, die sie dem C und dem D jeweils als Kredit gewährt und als Sichtguthaben auf
12
deren Girokonto bucht. Für den angenommenen Fall, dass auch diese Sichtguthaben
maximal bis zu 1/3 abgehoben werden, würde die Überschussreserve von 66,66 Euro (=
2 x 33,33 Euro) ausreichen. Wo vorher durch Bareinzahlung von 100 Euro nur ein
Sichtguthaben in gleicher Höhe entstanden war, sind jetzt zwei weitere Sichtguthaben je
100 Euro entstanden – und zwar allein durch entsprechende Buchungen auf die Konten
von C und D.
Auf der einen Seite verpflichtet sich Bank gegenüber C und D, die Guthaben jederzeit in
bar einzulösen oder entsprechende Überweisungen durchzuführen (was in der
Bankbilanz auf der Passivseite erscheint), auf der anderen Seite verfügt sie über jeweils
eine Forderung gegenüber den Schuldnern D und D auf Verzinsung und Tilgung des
eingeräumten Kredits (was auf der Aktivseite der Bankbilanz erscheint). Dadurch hat
sich die Bilanz der Bank auf beiden Seiten um den gleichen Betrag verlängert
(„Bilanzverlängerung“). Durch Giralgeldschöpfung aus dem Nichts hat die Bank in
diesem Beispiel den anfänglichen Betrag von 100 Euro auf 300 Euro vergrößert, indem
sie auf einem Sockel von 100 Euro Bargeld einen dreifachen Überbau von 300 Euro
Giralgeld errichtet hat. Auf die Gesamtwirtschaft übertragen würde das bedeuten: das
von der Zentralbank geschöpfte Geld würde um das von den Geschäftsbanken
geschöpfte Giralgeld ergänzt. Auch wenn Giralgeld im rechtlichen (noch) nicht als
gesetzliches Zahlungsmittel gilt, sondern nur als Anspruch auf Einlösung in Bargeld,
wirkt es im gesamtwirtschaftlichen Kreislauf doch längst wie Zentralbankgeld, weil man
auch mit Giralgeld Güter und Dienstleistungen (also Sozialprodukt) kaufen und auch
Steuerschulden und andere Schulden damit begleichen kann. (Die offizielle Definition
der Geldmenge M‐1 umfasst entsprechend auch die Summe aus Bargeld und Giralgeld.)
Was hier nur am Beispiel einer Bank mit bankinternen Überweisungen und
Kreditvergaben dargestellt wurde, wird etwas komplizierter, wenn es sich zum Teil
auch um bankexterne Überweisungen handelt. Aber am Prinzip ändert sich dabei wenig.
Angenommen, einige Überweisungen gehen von GB‐1 an Kunden einer anderen
Geschäftsbank GB‐2, dann müssten diese Überweisungen eigentlich begleitet sein durch
entsprechende Bargeldbewegungen von GB‐1 nach GB‐2, ließen sich also doch nicht
einfach durch Umbuchungen abwickeln. Andererseits wird es auch Überweisungen in
umgekehrter Richtung geben (dies um so mehr, je größer die Banken und die Anzahl
ihrer Kunden ist), so dass Bargeld pro Tag jeweils nur in Höhe des verbleibenden Saldos
bewegt werden müsste. Und das ist zwischen großen Banken deutlich weniger als das
gesamte Überweisungsvolumen. Wenn die großen Banken einigermaßen im
Gleichschritt Giralgeldschöpfung betreiben, ergibt sich für alle ein größerer Spielraum.
Nur die kleinen Banken haben kaum die Möglichkeit der Giralgeldschöpfung, weil ihre
Überweisungen in der Regel überwiegend bankextern sind und von außen nur wenige
Überweisungen eingehen.

Grenzen der Giralgeldschöpfung
Anfang der 30er Jahre betrug das Verhältnis von Bargeld zu Giralgeld in den USA schon
ungefähr 1 : 10. Bei noch weiterer Verbreitung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs
(Scheckkarten usw.) kann das Verhältnis noch viel weiter ansteigen (zum Beispiel auf 1 :
20 oder 1 : 40), wenn dem nicht gesetzliche Schranken gesetzt werden. Eine der
möglichen Beschränkungen liegt in der „gesetzlichen Mindestreserve“, die die
Zentralbanken von den Geschäftsbanken in manchen Ländern fordern können – und die
den Spielraum für die Giralgeldschöpfung im Rahmen der so genannten
13
„Mindestreservepolitik“ mehr oder weniger einschränken können. Aber auch dort, wo
dieses geldpolitische Instrument angewendet wurde oder wird, geht es nicht darum, die
Giralgeldschöpfung ganz zu unterbinden, sondern nur zu begrenzen.
Eine weitere Möglichkeit der Begrenzung liegt in gesetzlichen Beschränkungen der
Kreditvergabe im Verhältnis zum Eigenkapital der Banken. Eine gesetzliche
Veränderung der geforderten Eigenkapitalquote kann bisherige Spielräume der
Giralgeldschöpfung schlagartig in die eine wie in die andere Richtung verändern und
Bankensysteme ganzer Länder in die Krise stürzen. Problematisch werden solche
Vorschriften insbesondere dann, wenn sie ohne Rücksicht auf die besonderen
Bedingungen einzelner Länder weltweit durchgesetzt werden, wie zum Beispiel durch
die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel, einer Art Zentralbank der
Zentralbanken, die weitgehend von der Öffentlichkeit unbemerkt im Hintergrund agiert.

Zur Problematik der Giralgeldschöpfung
Das Bankgeheimnis Geldschöpfung verdeckt die Fragwürdigkeit, dass die Banken für
aus dem Nichts geschöpftes Geld von den Kreditnehmern Zinsen und Tilgung fordern –
und bei Nichterfüllung auf das beliehene Eigentum der Schuldner – wie zum Beispiel
Immobilien – zurück greifen und es zwangsversteigern lassen. Auf diese Weise verlieren
überschuldete Schuldner zuweilen das Dach über dem Kopf und den Boden unter den
Füßen. Diese Konsequenz kann auch ganze überschuldete Länder (zum Beispiel der
Dritten Welt) treffen, so dass die Gläubiger die Kontrolle über Menschen und
Ressourcen bekommen. Die zugrunde liegende Abfolge „Kreditbedarf – Verschuldung
und Enteignung“ zieht sich wie ein roter Faden, wie ein Thema mit Variationen durch
einige Tausend Jahre Geldgeschichte, aber sie wird besonders grotesk, wenn die Mittel
zur Kreditvergabe – wenn auch in gewissen Grenzen – aus dem Nichts geschöpft
werden. Man kann diesen Zusammenhang auf einen kurzen Nenner bringen:
Mit selbst geschöpftem Geld – kaufen sie die Welt.
Und sie tragen auf diese Weise mit dazu bei, dass die exponentiell wachsenden
Forderungen der Geldvermögen ermöglicht werden durch entsprechend wachsende
Verschuldung, für die immer wieder Kredite bereit gestellt und Schuldner immer tiefer
in die Schuldenfalle gelockt oder getrieben werden, so dass eine wachsende Zahl von
ihnen zusammen brechen muss. Diese Tendenz ist im bestehenden Zinssystem in
Kombination mit der Geldschöpfung des Bankensystems angelegt. Und für den Fall, dass
die Forderungen ausfallen und die faul gewordenen Kredite die Bilanzen der Banken in
die roten Zahlen geraten lassen, gibt es mittlerweile staatliche Rettungsschirme, für die
die Zentralbanken das nötige Geld aus dem Nichts schöpft und den Staaten als
wachsende Staatsschuld „bereit stellt“ – bis hin zum Staatsbankrott oder zur
Hyperinflation (um nur zwei mögliche Verlaufsformen zu nennen).
Es kommt noch eine weitere Problematik der Giralgeldschöpfung hinzu: Das Geldsystem
insgesamt steht unter diesen Bedingungen auf einem äußerst unsicheren Fundament.
Wird aus irgend welchen Gründen der schmale Bargeld‐Sockel der Geschäftsbanken
vermindert, so müssen die darauf aufgebauten Kredite in Form von Sichtguthaben um
ein Vielfaches zurück gefahren werden (beim Verhältnis 1 : 10 um das Zehnfache des
Bargeldabflusses). Dadurch entsteht die in letzter Zeit viel beklagte, aber wenig
verstandene Kreditklemme im Bankensystem. Vor diesem Hintergrund wird auch
14
verständlich, warum sowohl die Banken als auch die Regierung panische Angst vor
einem Ansturm der Bankkunden auf die Banken haben. Wenn nämlich alle Inhaber von
Girokonten einer Bank ihre Guthaben gleichzeitig in bar abheben wollen, würde sich auf
dramatische Weise heraus stellen, dass ihr Geld gar nicht bei der Bank ist – oder
jedenfalls nur ein Bruchteil davon. Die betreffende Bank müsste ihren Laden dicht
machen, und die Gefahr besteht, dass dann auch andere Banken von den Kunden
gestürmt werden – mit dem gleichen Ergebnis. Wenn es erst einmal so weit kommt,
nützen auch keine Einlagensicherungsfonds oder staatliche Garantien – ähnlich, wie eine
Feuerwehr einzelne Brände wirksam bekämpfen kann, aber einem Flächenbrand hilflos
gegenüber steht. Auf derart fragwürdigem Fundament ist das bestehende Geldsystem
aufgebaut – und das weltweit. Und lange Zeit wollte kaum jemand etwas von diesem
unerhörten Gefahrenpotenzial wissen (auf das ich schon in meinem Buch „Der Nebel um
das Geld“ 1996 hingewiesen habe).

Die Theorie der multiplen Kreditschöpfung – Verschleierung statt Aufklarung
Warum trägt die VWL‐Lehrbuchtheorie der multiplen Kreditschöpfung nicht zum
wirklichen Verständnis der Giralgeldschöpfung und ihrer Problematik bei? Diese
Theorie hat Modelle entwickelt, in denen die Geldschöpfung aus dem Nichts verborgen
bleibt, und täuscht mit ihrer exakten mathematischen Formulierung über ihre groben
inhaltlichen Mängel hinweg. Ihre Argumentation soll wieder an einem Beispiel erläutert
werden. Am Anfang der Überlegungen steht eine Bareinzahlung auf ein Girokonto von
100 Euro. Wegen der erforderlichen Mindestreserve für eventuelle Barabhebungen (und
vielleicht auch zur Erfüllung gesetzlicher Mindestreserve‐Verpflichtungen) – zum
Beispiel in Höhe von 1/3 – würde 2/3 des Bargeldes als Kredit an einen Dritten
ausgeliehen. Dieser würde mit dem Kredit Nachfrage entfalten und bei einem Vierten
kaufen, und dieser Vierte wiederum würde die Erlöse auf sein Girokonto bei einer Bank
in bar einzahlen.
Also kämen in diesem einfachen Beispiel in der nächsten Runde 66,66 Euro neue
Bareinzahlung zur Bank, von denen wiederum (abzüglich der Mindestreserve von 1/3)
die übrigen 2/3 (also 44,44 Euro) als neue Kredite ausgeliehen werden – und so weiter.
Wegen der jedes Mal einbehaltenen Mindestreserve ebben die zusätzlich vergebenen
Kredite immer weiter ab, aber aufsummiert über unendlich lange Zeit (mit der
mathematischen Formel für unendliche Reihen) ergibt sich schließlich ein
Kreditvolumen in Höhe des Dreifachen der anfänglichen Bareinzahlung. (Allgemein ist
das Ergebnis immer der Kehrwert des Mindestreservesatzes (bei 1/10 sind es also 10,
bei 1/20 sind es 20 usw.). Diese so errechnete Zahl wird „Kreditschöpfungs‐
Multiplikator“ genannt und der Vorgang selbst „multiple Kreditschöpfung“.
Dieser Vorgang grenzt fast an Zauberei, und vor lauter Bewunderung kommt kaum
jemand mal auf die Frage, wie das Ergebnis eigentlich zustande gekommen und was von
den Grundannahmen zu halten ist. Die Aufsummierung ökonomischer Größen – die
immer zeitbezogen sind – über unendlich lange Zeit macht keinen Sinn. Auf eine
sinnlose Frage kann es entsprechend auch keine sinnvolle Antwort geben. So einfach ist
das – und doch so schwer zu durchschauen. Was würde sich denn an Umsätzen aus
einem Euro ergeben, wenn der Euro über unendlich lange Zeit durch unendlich viele
Hände gehen würde? Umsätze in Höhe von unendlich! Na und? Da wird der Unsinn der
Fragestellung offensichtlich. In der mathematisch verklausulierten Theorie der
multiplen Kreditschöpfung bleibt er hingegen verborgen.
15
Das Irreführende an dieser Theorie liegt darin, dass der falsche Eindruck erweckt wird,
die jeweils neu vergebenen Kredite würden jedes Mal auf voran gegangenen
Bareinzahlungen beruhen. Genau das ist aber bei der Giralgeldschöpfung nicht der Fall,
denn sie wird – wie oben dargestellt – ohne jeweils neue Bareinzahlungen aus dem
Nichts geschöpft. Aus einer falschen Theorie über die Giralgeldschöpfung folgt allerdings
nicht, dass es die Giralgeldschöpfung nicht gibt – ebenso wenig, wie aus einer falschen
Theorie über die Bewegungen der Himmelskörper gefolgert werden kann, dass es die
Himmelskörper und ihre Bewegungen nicht gibt. Vielmehr gilt es nach Erklärungen zu
suchen, die die Phänomene zutreffender beschreiben. In der Astronomie war das die
Wende vom Weltbild des Ptolomäus zu dem des Kopernikus – die kopernikanische
Wende.
Begriffsverwirrung als Mittel der Verschleierung
Warum liegt aber die Realität der Giralgeldschöpfung nicht offen zu Tage, warum ist sie
nicht direkt aus den Bankbilanzen und den daraus abgeleiteten Statistiken unmittelbar
erkennbar? Weil die aus dem Nichts geschöpften Sichtguthaben irreführender Weise mit
dem gleichen Begriff bezeichnet werden wie das anfänglich auf Bareinzahlung
begründete Sichtguthaben, nämlich mit dem Begriff „Sichteinlagen“ – obwohl das von
der Bank zusätzlich geschaffene 2. und 3. Sichtguthaben von jeweils 100 Euro nicht auf
weiteren Bareinzahlungen oder Bareinlagen beruhen, sondern lediglich aus einem
Buchungsvorgang entstanden sind. (Diese Täuschung – ob bewusst oder unbewusst – ist
ganz ähnlich wie seinerzeit die Täuschung bei der Schöpfung zusätzlicher Banknoten
aus dem Nichts, die äußerlich genau so aussahen wie die anfängliche Banknote, die
durch Einzahlung von Gold entstanden und zunächst zu 100 % durch Gold gedeckt war.)
Wer in den Bankbilanzen und Statistiken danach sucht, ob das Volumen der
Kreditausleihungen die „Einlagen“ übersteigt, wird nicht fündig werden. Und also
scheint es für ihn keine Kreditschöpfung aus dem Nichts zu geben. Dass sich aber unter
dem Begriff „Sichteinlagen“ auch solche Guthaben verbergen, die gar nicht auf Einlagen
beruhen, sondern aus dem Nichts geschaffen wurden, bleibt dadurch verschleiert – und
damit die ganze Ungeheuerlichkeit, die mit dem Bankgeheimnis Geldschöpfung und dem
dahinter Verborgenen verbunden ist.
Diese Begriffsverwirrung bezüglich des Geldsystems und der falsche äußere Schein
können kaum Zufall sein. Es sieht eher nach bewusster Täuschung aus, die irgendwann
einmal auf den Weg gebracht wurde. Später hat man sich einfach an die Begriffe und
Praktiken der Bankgeschäfte gewöhnt und sie überhaupt nicht mehr hinterfragt. Zu
vieles in der Geldgeschichte deutet darauf hin, dass es von bestimmten Seiten eher ein
Interesse an der Verschleierung wesentlicher Zusammenhänge gegeben hat als an deren
Aufklarung. Es ist auch bemerkenswert, dass diejenigen Sichtweisen, die den Nebel um
das Geld gelichtet und das Bankgeheimnis gelüftet haben, in der
Wirtschaftswissenschaft, der Politik und den Medien schlicht und einfach immer wieder
tot geschwiegen wurden.

Das Ende des Bankgeheimnisses Geldschöpfung
Aber die Mauer des Schweigens, der Ignoranz und der Abwehr gegenüber diesen
kritischen Sichtweisen und gegenüber konstruktiven Alternativen ist am Bröckeln. Dazu
hat die Weltfinanzkrise wesentlich beigetragen. In verstärktem Maße erfolgt eine
Rückbesinnung auf lange Zeit Verschüttetes und Ignoriertes, zum Beispiel auf das Buch
16
„100%‐Geld“ des weltberühmten Geldtheoretikers Irving Fisher aus den 30er Jahren,
der in den VWL‐Lehrbüchern vor allem für seine Quantitätstheorie des Geldes
gewürdigt wird (Handelsvolumen x Preisniveau = Geldmenge x Umlaufgeschwindigkeit),
nicht aber für seine Richtung weisenden Vorschläge zur Reform der Geldschöpfung. Er
kommt zu dem Ergebnis, dass die Geldschöpfung nicht in die Hände privater
Geschäftsbanken gehört, sondern in die Hand der Zentralbank, die staatlich sein muss.
Er verdichtete seine Auffassung in dem Satz:
Verstaatlichung des Geldes: ja! Verstaatlichung der Banken: nein!
Ein anderes Richtung weisendes Buch betreffend die Problematik der Geldschöpfung
stammt von dem langjährigen Mitglied des Direktoriums der Deutschen Bundesbank
Rolf Gocht aus dem Jahre 1974 mit dem Titel „Kritische Betrachtungen zur nationalen
und internationalen Geldordnung“. Darin werden auch Funktionsweise und Problematik
der Giralgeldschöpfung sehr klar heraus gearbeitet und Vorschläge für einen sanften
Übergang zu einem anderen Geldsystem aufgezeigt, in dem die Giralgeldschöpfung der
Geschäftsbanken keinen Platz mehr hat. Und schließlich sei auf eine neuere
Veröffentlichung von Joseph Huber und James Robertson („Geldschöpfung in
öffentlicher Hand“) verwiesen, in der nach klarer Analyse der Giralgeldschöpfung und
ihrer Problematik konkrete Schritte in Richtung einer „Vollgeld‐Reform“ beschrieben
werden. Darin wird das Giralgeld – neben dem bisherigen Zentralbankgeld – zu
vollwertigem Geld im Sinne eines gesetzlichen Zahlungsmittels erklärt. Die Giralgeld‐
Verwaltung soll dabei aus den Händen der Geschäftsbanken genommen und in die Hand
einer vom privaten Bankensystem und von privaten Anteilseignern unabhängigen
staatlichen Zentralbank gelegt werden, und unabhängig auch von der Regierung – das,
was ich „Monetative“ nenne.
Das Bankgeheimnis Geldschöpfung neigt sich wohl mehr und mehr seinem Ende zu.
Schon bald werden immer mehr Menschen verstehen, woraus des Kaisers neue Gelder
bestehen: aus einer gigantischen Täuschung. Es ist zu hoffen, dass es einen friedlichen
Übergang in ein langfristig tragfähiges und dem Gemeinwohl verpflichtetes Geldsystem
geben wird, damit der Welt ähnliche Krisen und Katastrophen wie die derzeitige
Weltfinanzkrise und Weltwirtschaftskrise in Zukunft erspart bleiben.
Näheres unter www.berndsenf.de (Schwerpunkt „Wirtschaft und Gesellschaft“)
Videos mit Bernd Senf zur Weltfinanzkrise und zur Geldschöpfung finden sich unter
www.dailymotion.com (Suchwort: Bernd Senf).
Bücher von Bernd Senf:

Der Nebel um das Geld (1996),

Die blinden Flecken der Ökonomie (2001),

Der Tanz um den Gewinn (2004).

Andere Literatur:
Irving Fisher: 100%‐Geld.
Joseph Huber/James Robertson: Geldschöpfung in öffentlicher Hand.
Hans Georg Binswanger: Geld und Magie
17
Rolf Gocht: Kritische Betrachtungen zur nationalen und internationalen Geldordnung.
Frederick Soddy: Wealth, Virtual Wealth and Debt
Stephen Zarlenga: Der Mythos vom Geld – Die Geschichte der Macht
G. Edward Griffin: Die Kreatur von Jekyll Island
Ellen Hodgson Brown: Der Dollar‐Crash
Jürgen Elsässer: Nationalstaat und Globalisierung

(Rechte des obigen Artikels bei Prof. Bernd Senf)

Kommentar: Die „[!]“ sind als Hinweis hier zusätzlich eingefügt, korrigiert wurden nur kleinere „Tippfehler“, wie zB.

„überhaupt“, statt „überhaut“ [das war vermutlich ein freudscher Vertipper, „Haut“ und des Kaisers „neue Kleider“, das ist doch die UeberHaut, das „Grösste“ (resp. die Grösste, der Grösste Verfall)]

„in einer Welt begrenzter Ressourcen“, statt „in ein Welt begrenzter Ressourcen“

Siehe dazu:

John Law (Text, Video gab es damals – noch nicht)

Lohn Law hatte – nebst der erfolglosen mit dem Papiergeld – auch sehr gute Ideen, auch in Richtung Monetative: Denn ein weiterer Aspekt seiner wirtschaftspolitischen Maßnahmen war der Versuch, sämtliche gewerblichen Monopole, die Notenemission und die Steuereintreibung aus privater Hand in staatliche Regie zu überführen.

[Allerdings aus ganz anderen Gründen als Prof. Bernd Senf:

Durch die Notenemission in staatlicher Regie, so hoffte er, könne die öffentliche Hand ausreichend Gewinn machen und ihre Verbindlichkeiten ablösen.]

mehr (link): Papiergeld, Geldschoepfung aus dem Nichts, Giralgeld, Notenemission beim Staat, John Law

Bernd Senf  weitere Artikel (Text, Vortrag und Video) (dieser, vom 17.03.2012 überarbeitet am 19.03.2012)

mehr (link): Prof. Bernd Senf Bankgeheimnis Geldschöpfung -­ Monetative als Lösung? (3)

Free counters!